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Wi-lef
vergeben, so schickte Eduard W. 1374 nebst einigen Ander» als Gesandten nachBrügge , um daselbst mit den Abgeordneten des Papstes über diesen Gegenstandzu unterhandeln, und W. ermangelte nicht, auch hier mündlich die Rechte s. Kö-nigs zu behaupten. Er hatte unterdessen die päpstliche Curie noch besser kennengelernt und faßte nun erst einen rödtlichen Haß gegen sie, den er in einer s. vor-züglichsten Schriften bewies, die eine Unterredung zwischen der Wahrheit, einemarglistigen und einem klugen Theologen enthält. Da ihm Eduard nach Beendi-gung s. Gefandttcuaft 137b auch ein Kanonicat an der Collegiatkirche zu West-bury und die Pfarre zu Lulterworth in Leicesterfhire ertheilte, so suchten die Mön-che diesen ihnen immer gefährlicher werdenden Mann auf alle Art zu stürzen. Sieübergaben deßhalb 1377 Papst Gregor XI. 18 Lehrsätze oder Artikel, die ihrerMeinung nach ketzerisch waren, und welche W.vorgetragen haben sollte. Sosehrder Hof den Vertheidiger der kdnigl. Rechte in Schutz nahm, so drohte ihm dochviel Gefahr, da Gregor dem Erzbischof von Canterbury den Auftrag gab, W. we-gen dieser Lehrsätze zur Verantwortung zu zi-hen. Allein obschon der Erzbischofeine Versammlung der Geistlichen in London zusammenberief, vor welcher W. er-scheinen mußte, so begleitete ihn doch der Herzog Johann von Lancaster mit in dieVersammlung, half selbst ihn vertheidigen, und so sah man sich genöthigt, ihn frei-zusprechen. Gregor ließ darauf, nach König Eduards Tode, im Zuni 1378 eineneue Versammlung der Geistlichen in England zusammenberufen, vor welcher sichW. nochmals stellen mußte; doch jetzt wagte man es nicht, ihn zu verurtheilen, son-dern man legte ihm bloß Stillschweigen auf. W.fuhr jedoch immerfort, mitFrei-müthigkeit s. vorder geäußerten Grundsätze sowol durch Schriften als auch mündlichauf derKanzel und auf dem Lehrstuhle zu verbreiten. Die Geistlichkeit zog endlichEduards Thronfolger, den schwachenRichard l>., aufihreSeite, und in einer 1382zu London gehaltenen Versammlung der Geistlichen wurden niehre von W.'S Lehr-sätzen als ketzerisch verdammt, s. Anhänger theils zum Widerruf gezwungen, theilsins Gefängniß geworfen. Da jedoch W. selbst, auf Anrathen s. Freunde, sich vorder Versammlung nicht gestellt hatte, überdies Urban VI. und Clemens VII. einan-der seit 1383 den päpstlichen Stuhl streitig machten, und deßhalb zwischen ihrenbeiderseitigen Anhängern Streitigkeiten waren, so zog sich W.'S Proceß in die Län-ge. Es ist schwer, die von ihm bekanntgemachten Lehrsätze genau anzugeben. DieNachrichten, welche wir darüber haben, sind uns großenteils von Denjenigen über-liefert worden, welchen s. Lehren ein Gräuel waren, und die daher, um den Haß ge-gen ihn zu erhöhen, oder die kirchlichejDerdammung auf ihn zu ziehen, sich wahr-scheinlich kein Bedenken machten, zu entstellen, was er gelehrt hakte. Aus s. eignenSchriften und a. glaubwürdigen Urkunden geht indeß hervor, daß er überzeugt ge-wesen zu sein scheint: man habe zur Zeit des Apostels Paulus 2 geistl. Würden,Priester und Diakone, für hinlänglich gehalten; bürgerliche Gewalt solle nie derGeistlichkeit überkragen werden; ein Christ solle Vernunft und Schrift zur Richt-schnur nehmen; auf allgemeine Kirchenverfammlungen sei wenig zu halten; derröm. stuhl sei sowenig das Oberhaupt der Kirche als irgend ein andrer Bischofs-stuhl; der heil. Petrus habe keinen Vorrang vor den übrigen Aposteln; im Brot undWein sei nach der Consecration nicht Christi wahrer Leib, sondern nur dessen Bild;der römische Papst habe nicht mehr Gewalt zu binden und zu lösen als jeder andrePriester; es sei nicht nur rechtmäßig, sondern sogar verdienstlich, der Kirche, imFalle eines ungebührlichen Betragens, ihre weltlichen Güter zunehmen; das Evan-gelium allein sei hinlänglich, einen Christen in s. Leben den rechten Weg zu führen,alle andre von fronunen Männern gegebene und in Klöstern befolgte Regeln kön-nen einem Christen keine höhere Vollkommenheit geben; weder der Papst nochsonst ein Bischofsolle Gefängnisse haben, um Übertreter der Kirchenzucht zu be-strafen, sondern Jedermann müsse Freiheit behalten, seinen Lebenswandel einzu-