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Wielond
des öffentlich Erlaubten streift, behandelte ihn aber mit einem so einzige» Geschick,das man deßhalb uni Vieles leichter über die gewagte Freiheit hinwegsieht. Sein 1Forschungseifer erhielt eine fruchtbare Nahrung in Rousseau's Schriften und Io- ssephs II. Verbesserungen. Unter dem Titel: „Beiträge zur geheimen Geschichte desmenschlichen Verstandes und Herzens, aus den Archiven der Natur" (1110) schrieber gegen die interessanten Neuerungen und Paradoxen Rousseau's mit eingreifenderMenschenkenntniß, gefälliger Klarheit und munterer Gewandtheit. Angeregt vonden Bedürfnissen der nach Licht sich sehnenden Menschheit, und einaedenk seines ho-hen Berufs, wiewol oft zu unaufhaltsam fortgerissen von dem Wunsche, Fruchtund Blüthe zugleich an dem gepflanzten Baume zu sehen, bereitete Joseph II. einengroßen Umschwung in dem Leben desStaatSvor und entzündete olle gleichgestimmteSeelen mir der lebhaftesten Begeisterung für seine erhabenen Zwecke. So wurdeauch W. in die Sphäre geführt, worin sich der aufgeklärte Gesetzgeber und SraakS-vei Walter bewegte, und dieserRichtung seiner geistigen Thätigkeit verdanken wir den„Goldenen Spiegel" (1112), „eine Art von summarischem Auszuge des Nützlich-sten, was die Großen und Edlen einer gesitteten Nation aus der Geschichte derMenschheit zu lernen haben". — Jetzt beginnt für die volle Entwickelung seinerglänzenden Talente unstreitig die wirksamste Periode, da sie ihm, außer der ihn« so ganzgerechten äußern Umgebung, auch die hinreichende Muße gewährte: sein Aufenthaltin Weimar. Die Herzogin Anna Amalia hatte 1158 den geliebten Gemahl ver-loren und fand sich so auf einmal zwischen die Regierung des Landes und die Sorgefür die Erziehung zweier Sehne gestellt. Mit Muth lind Eifer, mit Einsicht undLiebe hatte sie beiden Pflichten genügt; unterdessen waren die Prinzen, auf denendie Hoffnung des Landes ruhte, bis in das Alter gekommen, wo sie eines männli-chenErzieherS bedurften. Zu diesem wichtigen Posten wurde W. durch den Frech,v. Dalberg. der ihn in Erfurt auf das genaueste kennen gelernt hatte, vorgeschlagen,und er nahm den ehrenden Ruf mit Freuden an. 1112 ging er, mir dem Cha-rakter eines herzogt, sachsen-weimarischen Hofraths, der Zusicherung eines Gehaltsvon 1000 Thlrn., so lange er die Erziehung der Prinzen leiten würde, und unter derAussicht auf eine lebenslängliche Pension vonbOOTHlrn. *), nachWeimarab. Hierregte sich noch kein bestimmtes Zeichen der spätern geistreichen Lebensfülle. Indes-sen fehlte es nicht an einer stillen Vorbereitung, mehre ausgezeichnete Männer ar-beiteten für dieselbe: ein Eckhof, Brandes, Beck, Seiler, Musäus , v. Einsie-del, v. Knebel, v. Voizt, Bertuch u. A. W. war in solcher Gesellschaft ganz anseinem Platze, und sein Genius regte, von innerer Zufriedenheit belebt und durchmannichfache Ermunterung von Außen gehoben, muthiger die Schwingen. Erfaßte vor der Hand das Schauspiel inS Auge, daher die Entstehung des dramati-schen Gedichts: „Die Wahl des Hercules", und der „Alceste ", die den 2d. Mai1113 zum ersten Male auf dem weunarischen Hoftheater erschien unk bald in ganzDeutschland mit rauschendem Beifall aufgenommen wurde, ohne jedoch denselbenfür eine spätere Zeitmit Erfolg behaupten zu können. Bedeutender für die gestimmtedeutsche Literatur ward die Herausgabe des „Deutschen MercurS", einer Monats-schrift, der sich W. bis an dasEnde seines Lebens mit der größten Sorgfalt widmete.Er hatte jetzt diePflicht und Gelegenheit, von den höchsten Grundsätzen des Schö-nen bis zu den gewöhnlichen Regeln der poetischen Form herab, seine Ansicht einemausgebreiteten und aufmerksamen Publicum vorzulegen. Im Ganzen ar seineästhetische Kritik weder rein noch tief genug, sie litt besonders von mehren Seitenan der Ansteckung einer zahmen, vornebmen, conventionnellen Beschränktheit, wiediese damals in Frankreich herrschte. W.'s Briefe über s. „Alceste " im Sept.-Heftdes „MercurS" von 1113) enthalten hinreichende Spuren der erwähnten falschenRichtung, worüber 2 der ersten Männer in deutscher Art und Kunst, Göthe und
*) Der letzkverstorbcne Großberzvg von Weimar bat seinem geliebten Lehrer stetsseinen ganzen Gehalt von 1000 Thlrn. als Pension gelassen.