Wieland
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einem verführerischen Naturtriebe, denn er gab von dieser Seite im Leben keine Blo-ßen, sondern er wurde dazu bestimmt durch das heitere Spiel derPhantasie und imschlimmsten Falle durch das übergroße Streben nach unfehlbarer Wirksamkeit. Daserste Erzeugniß, welches den Ausdruck jener französisch -griechischen Sinnlichkeit ansich trügt, war dre poetische Erzählung: „Nadine", welche er selbst eine Schöpfungin Prior'S Manier nennt. Auf dieselbe folgten (1164) die „Abenteuer des DonSylvio von Rosalva, oder der Sieg der Natur über die Schwärmerei". Hierdiente dem Verf. der „Don Quixotte", den er sehr liebte, zum Muster, er erreichteihn aber weder in Anlage noch Behandlung. In die 1.1166 und 1161 füllt dieerste Erscheinung des „Agathen", welcher W.'S Ruhm am meisten begründen half.Er hatte die Idee zu diesem Werke schon während seines Aufenthalts in derWchweizgefaßt, uAd sich immerwährend, auch indeß er sich andern Arbeiten hingab, damitbeschäftigt, bis er 1164 an die Ausarbeitung desselben ging. „Die Absicht desVerf.", sagt dieser selbst von seinem Werke, „war nicht, ein Bild sittlicher Vollkom-menheit in seinem Helden aufzustellen, sondern zu zeigen, wie weit es ein Sterbli-cher durch die Kräfte der Natur in der Weisheit und Tugend bringen könne, undwie viel Antheil die Außenwelt an der Bildung unsers Wesens habe". Übrigens istdies geistreiche Buch mit Recht immer von Seiten der Darstellung als ein Musterbetrachtet worden, und wird gewiß, wie auch der Geschmack sich ändern möge, zuallen Zeiten als solches gelten können. Auch in den berühmten „Literaturbriefen"wird es als trefflich anerkannt. Die Liebe war es, die unsern Dichter in allen ihrenErscheinungen vorzüglich beschäftigte. Er hatte sich lange mit derIdee getragen, seineAnsichten davon in einem größer» Gedichte, „Psyche", niederzulegen, allein esentstanden leider nur Bruchstücke davon. Umfassender stellen sie sich dar in „JdrisundZenide", obgleich auch diese Arbeit nicht vollendet ist, am reizendsten und edel-sten aber in der „Musarion" (1168), einem durch Anmuth, Leichtigkeit und Har-monie der Darstellung vielleicht einzigen Werke, das er selbst noch dem angestreb-ten Zweck eine Philosophie der Grazien nannte. Diese liehen ihm auch zu einembesondern Gedichte den Namen, das 1110 erschien und der ediern Liebe das Wortredet gegen die gemeine, bloß der Sinnlichkeit stöhnende. Der „Neue Amadis"(1111) will den Triumph innerer, geistiger Schönheit über bloß körperliche schil-dern: ein Thema, das der Dichter noch einmal in den letzten Jahren seines Lebensdurch „KrateS und Hipparchia" auszuführen suchte. Wenn, wie es heißt, der„Tnstram Shandy" die Veranlassung zum „Neuen Amadis" gegeben hat, so läßtsich dies wenigstens aus der verschiedenen Natur beider Werke nicht recht erklären.1165 verehelichte sich W. mit einer eben sticht schönen, aber edeln und anziehendenAugsburgerin, und 1169 ward er als l'rolessni ;>ri»>aiius der Philosophie aufdie Universität zu Erfurt berufen, die damals während der kuriiiainzischen Regie-rung unter der wohlthätigen Leitung des Frecherm von Dalberg (nachherigenFürsten Primas) stand. Bald erfuhr W. in dem neuen Wirkungskreise, daß ihmhier manches unübersteigliche Hinderniß im Wege siehe; deßhalb wandte er seineKraft mehr auf die ihm scbon so lieb gewordene schriftstellerische Thätigkeit, wo-bei ihm der erweckende Umgang mit ausgezeichneten Gel, hrten, wie Riedel,Bahrdt , Merisel u. A., zustattenkam. In der siufenmäßigcn Entwickelung sei-nes Wesens verdient es eine besondere Bemerkung, daß er sich von jetzt an nichtmehr so ausschließend auf die erotische Poesie beschränkte. Er beschloß diese Periodeseiner Dichterlaufbahn mit dem „Verklagten Amor", wodurch er die Gattung derPoesie, der er sich bisher gewidmet hatte, gewissermaßen rechtfertigte, sowie ereine allgemeine Rechtfertigung seiner LebenSansichten und philosophischen Meinun-gen in den „Dialogen des Diogenes von Sinope " (1110) der Well mittheilte.ImGeiste des feinern Cynismus verfaßte er bald darauf dasvielbesprocheneGedicbt„Kombabus", dessen mehr als zweideutiger Gegenstand an die äußersten GrenzenConversatiollSrLericon. Bd. XU 18