Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
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Wieland

den Genuß des größer» Pnblicums. Horaz und Lucian haben in dieser W.'schenGestalt den Deutschen reiche Früchte getragen. W. erklärte selbst die Horaz 'schenBriefe und Commentare für diejenigen seiner Arbeiten, auf die er am meisten Werthlege, und woraus sein Kopf, Her;, Geschmack, Dorstellungsart und Individual-charakter am qenauesten bekannt werde. Aus dem anhaltenden Umgänge mit Lu-cian entstand (1791) ein originelles Werk: ,,PeregrinusProteus", zu dem sich der,,','lgatkodämon" wie ein Seitenstück verhält. So war die Zahl seiner Geistes:werke ;n einer nicht geringen Anzahl angewachsen, und es mußte dem Lileraturfreundeerwünscht sein, sie vom Vers. selbst durchgesehen und gesammelt in einer gleichför-migen AuSq. zu besitzen. Eine solche veranstaltete der um die deutsche Literaturhochverdiente Buchhändler Göschen zu Leipzig (seit 1791 in 2Ausg., 4. u. 8., 36Bde., kSupvl.z neue Aufl.v.Gruber, seil 1820; TaschenauSg. in 16., 51Thle.,seit 182!). Der Vers. wurde dadurch in den Stand gesetzt, sich dasGut Psmann-siädt bei Weimar zu kaufen, wo er den Abend seines Lebens grösitentkeils in heitererMuße hinzubringen gedachte. DaerstetSeinFeindvonLuxuSund Üppigkeit gewesenwar, so hatten ihm seine mäßigen Einkünfte, trotz seiner sich beträchtlich mehrendenFamilie, denn seine Gattin gebar ihm in 20 Jahren 14 Kinder, immer genügt undfortwährend genug übrig gelassen, auch Freunde zu erfreuen. Allein nun war auch,über die Grenze seines Lebens hinaus, für die Unversorgten gesorgt, und dies er-heiterte ihm seine letzten Tage gar sehr. Er lebte von 1798 an bis 1803 fortwäh-rend in Osmannstädt und widmete den größten Theil seiner Zeit literarischen Arbei-ten, worunter sein ,,Attisches Museum" keine der geringsten ist. Er führte da-durch den lange gehegten Entschluß aus, seine Nation mit einer Reihe von Meister-werken der griech. Poesie, Philosophie und Redekunst vertraut zu machen. Auchsein ..Aristipp und einige seiner Zeitgenossen" gehört dieser Periode an. 1803 ver-kaufte er sein geliebtes Osmannstädk wieder, weil er es in ökonomischer Hinsichtnicht füglich mehr behaupten konnte, denn er hatte es gleich anfangs zu theuer er-kauft. Er lebte nun wieder in W imar, wo ernun auch Schiller fand, mildemerbald in innige Verbindung trat. Hier überstand er die Schreckenstage von Jena ,hier den schmerzlichsten Verlust, den er erleiden konnte, den seiner Gönnerin undFreundin, der Herzogin Amalia, den vonHerder, Schiller u. A., die er klebte undehrte. Durch mehre Arbeiten suchte er sich einigermaßen zu erheitern; am meistengelang ihm dies durch die Übers. von Eicero'S Briefen, die er mit der strengstenSorgfalt ausführte. Die Ehrenbezeigungen, welche er von dem Kaiser Alexanderdurch Verleihnnz desSt.-Annenordens, und von Napoleon durch die des Kreuzes derEhrenlegion erhielt, seine Aufnahme in den edeln Bund der Freimaurer , in dasfranz. Institut, und mehre glückliche Ereignisse, milderten so manchen Kummer,den sein Herz fortwährend nährte, wohin vorzüglich das frühere Hinscheiden seinervon ihm innigst geliebten Gattin (1801) gehörte, mit der er ein langes Leben infast beispielloser Zärtlichkeit und Einigkeit verlebt hatte. Sein Tod erfolgte erst den20. Jan. 1813 im 81. I. seines rühmlichen Lebens. Seme sierblichenÜberreste ruhen in Einem Grabe mit denen seiner Gattin und einer Enkelinseiner Jugendfreundin La Röche, Sophie Brentano , zu Dsmannstätt, seinerWahl gemäß. Ein einfaches Denkmal ziert die geweihte Stätte mir der vondem Dichter selbst verfertigten Inschrift:

Lieb' und lfreundsckaft nnistblaliq die verwandten Seelen im Leben,

Und ihr Sterbliches deckt dieser gemeinsame Stein.

Im Allgemeinen läßt sich für seine Charakteristik Folgendes sagen. Er war keindichterischer Urgeist, wie z. B. Göthe, Jean Paul ; sein eigenthümlicher Vor-zug bestand im freien Aneignen und weitern Ausbilden des Vorgefundenen, demer mit großer, zuweilen ausschweifender Geschmeidigkeit das Siegel seines Gei-stes aufdrückte, seine Darstellungen der griech. Welk, in denen er sich so wohl ge-fiel, sind nichts weniger als vollkommen rein, es regt sich darin der Einfluß eines