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Wieliezka
weichlichen, anspruchsvollen, halb und halb französirendcn Geschmacks. DasTiefste der menschlichen Natur hat er eigentlich nie wahrhaft ausgesprochen, wederin der Liebe, noch der Religion, noch der Kunst, oder der Philosophie; erhieltsich mehr in einer glücklichen Mitte und wußte selbst der Dbei stäche zuwcileil dentäuschende» Schein der Gründlichkeit zu geben, überall Meister der leichtesten, ein-schmeichelnden Grazie und für seinen Zweck auch ein trefflicher Sprachkünstler, wiedenn z. B. Zean Paul seine langathmigeProsa recht eigentlich dasOi gan der Iro-nie nennt, sowie er denn selbst in seinen interoffanten „Drüsen anSophie laRoche"(herausg. von F. Horn, Derl. 1820) sagt: „lumne m.-i lipuia Invoriiv". ?lusdiesen Umständen erklärt es sich, warum er keine durchgreifende und fortdauerndeWirkung auf unsere Literatur hervorgebracht hat; sein großes, unschätzbares Ver-dienst ist die nicht zu berechnende Summe von Kenntniß, Geschmack, Bildung,die er unmittelbar durch eine Reihe von Zahl en der Mitwelt zuführte, von der siesich auf uns in der Stille vererbte. Hat man ihn zuweilen überschätzt, so ist er da-für in der Revolutionszeit unserer Ästhetik über alle Gebühr herabgesetzt worden.Er gehört zu den ersten Männern Deutschlands und wird als solcher tn dem hohenKreise ewig leben. Ausführlicher entwickelt die Eigenthümlichkeiten des großenDichters und Schriftstellers die Biographie W.'s von Grubcr, neu bearbeitet vondems. Vf. (1 Th., Lpz. 1827 fg.; der 50.—53. Dd. von W.'s sämmtl. Werken beiGöschen). Auch ist in einem Aufsatz im „Morgenblatt" von 1818 unter der Auf-schrift: „Wielands Andenken in der Loge Amalia zu Weimar ", die Persön-lichkeit des Verewigten mit Meisterhand gezeichnet.
W i e l i c z k a, eine Stadt im König, eiche Galizien , im bochnier Kreise,berühmt wegen ihrer unerschöpflichen und in ihrer Art einzigen Steinsalzgrube»,die sich über 600 Lichtern von -Ost nach West, über 200 Lichtern von Süd nachNord, und 80 Lachte, n oder 800 Fuß in die Tiefe c,strecken; wie weit das Salzin die Tiefe geht, hat bis jetzt nicht ergründet werden können, und es ist daher ge-wissermaßen als unerschöpflich anzusehen. Die Stadt Wieliezka selbst ist ganz un-tergraben, und die Gruben gehen auf jeder Seite weit übersie hinaus. Lchon seit1237 hat man hier Salz gebrochen. Der Eingänge zu den Gruben sind 6 auffreiem Felde, und 2 von der Stadt aus; die letzter» beiden zur Einfahrt der Arbeiterund zur Herausforderung des Salzes. Man läßt sich 600 Fuß liefhinunter. odersteigt eine eigens eingerichtete Treppe von 1000 Stufen hinab, und kommt dann indie eigentlichen Salzgruben, welche eine mehre hundert Klaftern weite, hohe, mitSalzsäulen gewölbte Ebene bilden. Man sieht hier unter Andern, eine von einemBergmanne ausSalzstein errichtete Eapelle, worin aber iiichtMesse gelesen wird,wie es in den gewöhnlichen Beschreibungen heißt, welche überhaupt Wieliezka zuwunderbar schildern und das Salzwerk zu einer unterirdischen Stadt machen. Es ar-beiten zwar viele Menschen, nach Einigen an 1700, nach Liebtenstern 500, in denGruben, aber es wohne» keine wirklich darin, und in den Pferdeställen befindensich Pferde, die jedoch nicht zum Ziehe», sondern um die Gövel in Bewegung zusetzen, gebraucht werde». Die durch das Ausbrechen des Salzes entstandenenGewölbe werden Verhaue genannt. Mehre derselben sind verschlossen und die-nen zu Norrarhskammern für die leeren und vollen Salztonnen. Eincrvon diesenVerhauen heißt der großeSaal, wo man ein Ebor für Tonkünstler in die Felsen-wand eingearbiitet, Kronleuchter, die von der Decke hängen. Fossilien und Ver-steinerungen, die man im Gestein gefunden hat, antrifft. Die verschiedenen Ar-ten des Salzes, alle Krystallisationen, von den feinsten strahlenförmigen bis zuden gröbsten, sind hier gesammelt. Der ungewohnte Anblick der weitläufigen un-terirdischen Gänge, der vielen Gemächer und Behältnisse, der so eben angeführtenEapelle und der Stallung für 20 — 30 Pferde erregt bei jedem neu Eintretendeneine eigne Empfindung der größten Üben aschung; denn Alles dies ist in festes Lalzgebildet, welches an mehren Stellen so mächtig wird, daß man über einander an