Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
Seite
285
JPEG-Download
 

285

Wiener Congreß

cheri. Man vergleiche ferner: Ioh. Gabr. Seidl: „Wiens Umgebungen"(Wien 182!)); „Der Fremde in Wien und der Wiener in der Heimath" (Wien 18-9), von Hebenstreit, und Friedr. Rochlih'ü Briefe über Wien a. d. I.18-2 in s. Samml.: „Für ruhige Stunden" (2 Bde., Leipz. 1828). „Wien ,wie es ist" (Leipz. 1827), von dem Pseudonymen Ed. Forstmann, ist keineÜbersetzung der gar nicht vorhandenen „'l'nblette!, c!e Viei>„e".

W i e n e r C o n g r e ß voml.Nov. 1811biszum10.Iuni18I5. DieserCongreß übertraf an Würde,, Glanz und Bedeutung alle bisherigen. Persönlich wa-rcn zugegen: die Kaiser v. Östreich und Rußland, die Könige v. Preußen, Däne-mark, Baiern und Würtemberg, der Kurfürst v. Hessen , die Großberzoge v. Ba-den und Sachsen.Weimar u. A. m., sowie die ersten, europäischen Staatsmännerund Minister: vom Papste Cardinal Consalvi; von Östreich Fürst Metternich undder Freihr. v. Wessenberg; von Rußland Fürst Rasumowski, Graf Stackelberg und Nesselrode; von Großbritannien Lord Castlereagh, dann Herzog Wellington ,Carhcart, Clancarty und Stewart; von Preußen Fürst Hardenberg und Baron v.Humboldt; von Frankreich Fürst Talleyrand, v. Dalberg u. A.; von Baiein FürstLLrede, Graf Rechberg; von Hanover Graf Münster; ferner die Gesandten vonSpanien, Ponugal, der Niederlande, von Dänemark , Sardinien :c. Hr. v. Gentzführte das Protokoll. In Folge des 1. geh. Art. des pariser Friedens sollte der Wie-ner Congreß nur diesen Frieden und die demselben vorangegangenen einzelnen Ver-träge zwischen denAlliirten seitdem 28. Febr. 1813 zur Vollziehung bringen. Aufihm bildete» für die europäischen Sachen den engern Verein (tlomitü <Iii ixeani) die5 Hauptmächte, die den pariser Frieden geschlossen hatten: Östreich, Preußen, Eng-land, Rußland und Frankreich , unter dem Vorsitze des Fürsten Metternich, zudemin einzelnen Fällen noch die 3 andern: Spanien , Portugal und-Lchweden, gezo-genwurden. Für die deutschen Angelegenheiten bildeten Östreich, Preußen, Baiern,Hanover und Würtemberg einen Ausschuß, zu dessen Verhandlungen später auchdie Bevollmächtigten der übrigen deutschen souveraine und freien Städte gezogenwurden. Da man über die meisten Hauptpunkte schon im Ganzen einverstandenund vorzüglich darauf bedacht war, Frankreichs Eroberungspolitik für die Zukunftzu hemmen, so erleichterte die persönliche Gegenwart, der Charakter und die wech-selseitige Freundschaft der Monarchen die endliche Feststellung. Am schwierigstenwaren die Bestnnmungen über Polen und Sachsen , sowie über die innern Verhält-nisse des deutschen Bundes. Eine unerwartete Begebenheit, Napoleons Rück^kehr von Elba nach Frankreich , machte endlich das Interesse jedes,Einzelnen schwei-gen und führte plötzlich den Abschluß der von den 8 Mächte»: Östreich, Preußen,England, Rußland, Frankreich, Spanien, Portugal und Schweden , unterzeich-neten, aus 121 Art. bestehenden Congreßaete herbei am 9. Juni 1815. Die Wie-derherstellung deü europäischen Staatensystems ward darin im Allgemeinen gegrün-det auf das Princip der Legitimität. Östreich erhielt zurück: das neue lombardisch-venetianische Königreich, mit Einschluß des Deltlin, außerdem 3 Secundogenitu-ren: Toscana, Modena und Parma; das neue Königreich Illyrien; dasvenetia-nische Dalmarien nebst Ragusa und dem Golfo di Cattaro ; ferner durch Verträgemit Baiern: Tirol und Vorarlberg (ohne das AmtWeiler, Salzburg bis an dieSalza, die 1809 abgetretenen Theile des Inn- undHausruckvierteks; von Ruß-land den 1809 abgetretenen Theil von Ostgalizien. In Ansehung der Wieder-herstellung der übrigen Staaten verweisen wir auf die besondern Art. und bemerkenbloß im Allgemeinen, daß Rußland als eine bedeutende Vergrößerung feiner MachtWarschau u. d. N. des Königreichs Polen erhielt; daß Krakau eine freie Stadtwurde; daß Preußen, weil eS nicht in s. Länderbesitz von 1806 wiederhergestelltwerden konnte, durch neue Theilungen und Abtretungen sich für Ostfriesland, Hil-desheim rc., die an Hanover kamen, für Ansbach und Daireuth, die bei Baiern