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Winterschlaf der Thiere
mehre Monate hindurch in einer Art von Scheintod oder wenigstens In völligerUnthLtigkeit liegen. Außer dem Igel und der Fledermaus gehören alle übrige"Säugthiere, die man Winterschläfer nennt, durchgehends zu der Familie der Ge-fingerten. Auch beschränken sie sich nicht bloß auf die kältern Klimate, sondernauch in sehr warmen Gegenden finden sie sich. So hält die Ierboa in Arabien undder Taurick in Mrdagaskar den Winterschlaf. Die Zeit, wo sie den Schlaf an-fangen, fällt meistens in den Monat, wo das Futter anfängt zu mangeln und wodie Pflanzenwelt ebenfalls in einen Zustand von scheinbarer Unihäliqkeit versinkt.Der Instinkt treibt die Thiere um diese Zeit, sich eine sichere Schlafstelle aufzusu-chen. Die Fledermaus verbirgt sich in dunkle Höhlen oder in die Mauern verfalle-ner Gebäude. Der Igel wickelt sich in Blätter ein und legt sich gewöhnlich unterGestrippe von Farrenkräutern. Hamster und Murmelthiere vergraben steh in dieErde, und die Springmaus von Canada schließt sich in eine Kugel von Thon ein.Dabei rollen sich diese Thiere gewöhnlich so zusammen, daß die Glieder vor derKälte geschützt sind, daß die Eingeweide des Unterleibes und selbst die Luftröhre zu-sammengedrückt werden, wodurch der UmlaufdeS Blutes unterbrochen wird. Dieledieser Thiere, besonders die Nager, wie der Hamster und die Wanderratte, häufenvorher Vorräthe an, von denen sie wahrscheinlich leben, bis der Schlaf sie über-mannt. Während dieser Periode bemerkt man nun zuvörderst Abnahme der Wärme.Diese wird bei manchen Thieren um 20°, bei andern um 4V — 50" Fahrenh. ver-mindert; doch ist sie immer noch größer als die Temperatur der Luft in den Win-termonaten. Wenn sie im Winter erweckt werden, so nehmen sie sehr bald wiederihre natürliche Wärme an, und diese künstliche Erweckung schadet ihnen nicht. Fer-ner athmen die Winterschläfer viel langsanier und unterbrochener. Ost bemerktman mehre Minuten, ja wol gar eine Viertelstunde lang, nicht den geringstenAthem, selten wird man mehr als einmal in der Minute sie athmen finden. Daherverderben sie auch durch das Athmet die Luft weit weniger und können selbst inverdorbener Luft viel länger aushalten, als wenn sie wachen. Natürlich muß sichdas Herz verhältnißmäßig ebenso langsam bewegen. Beim Hamster schlügt es imWinterschlafe nur 15 Mal in der Minute, während man im wachenden Zustandebei ihm wol 115 Herzschläge zählt. Ihre Reizbarkeit ist sehr gering, und manhat Hamster in diesem Zustande zergliedert, die nur dann und wann nach Lustschnappten, wenigsten« das Maul öffneten, und auf deren Gedärme Schwefelsaureund Weingeist wenig oder gar keine reizende Wirkung hatten. Murmelthiere kannman nur durch starke elektrische Schläge wecken. Ebenso ist die Verdauung ge-mindert, Magen und Gedärme sind gewöhnlich leer, und selbst wenn die Thiereerwacht sind, zeigen sie nur in geheizten Zimmern Freßbegierde; so vermindert sichauch ihr Gewicht während desWinterschlafcs ungemein. Die Ursachen dieses Zu-standes hat man gewöhnlich in einem abweichenden Bau des Körpers gesucht.Wahr ist es, daß die Venen in der Reg l viel weiter und größer sind, daher die Ar-terien, von den Venen überwog-n, nicht die gewöhnliche Thätigkeit beweisen kön-nen. Auch öffnet sich die große Hohlvene n-cht bloß in das rechte Herzohr, sondernsie theilt sich in 2 ansehnliche Stämme, und die Thymusdrüse, die bei den Kindernim Mutterleibe so bedeutend groß ist, hat hier ebenfalls einen außerordentlichen Um-fang. Indessen muß man doch, wenn man die Ursachen dieses Zustandes aufzählt,manche äußere Umstände nicht übersehen. Es ist gewiß, daß die Kälte, wenn sieauch nicht die einzige Ursache ist, doch einen bedeutenden Antheil an dieser Erschei-nung hat. Daher Thiere dieser Art auch mitten im Sommer einschlafen, wennman sie in kalter Temperatur zu erhalten weiß; dagegen bleiben sie munter, wennman sie gegen den Winter in geheizte Zimmer bringt und mit Futter versieht. Dochfallen sie hier sogleich in Schlaf, wenn das Heizen eine Zeit lang unterlassen wird.Bei manchen Winterschläfern wirkt vorzüglich eingeschränkte Luft; so kann manden Hamster sehr bald zum Schlafen bringen, wenn man ihn in ein Behältniß