Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
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361
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Wole

Wolf (Christian, Freiherr v.) 561

nen Unterricht in den Stand, bald alsPortraitmaler reisen zu können. 1778 begabsich W. nach London , wo seine liieraritchen Beschäftigungen bald eine Qu-lle reich-lichen Ertrags für ihn wurden, denn seine satyrischen Schriften las man allgemeinmit vielem Vergnügen. Nur fand man daran auszusetzen, daß sie nicht selten densittlichen Anstand verletzten und zu oft gegen Personen von wahren Verdienstengerichtet waren. Nachdem einige Streitigkeiten mit den Verlegern seiner Werke,wegen einer Leibrente, die er sich von ihnen bedungen hatte, beseitigt waren, bekamer eine Fehde mit W. Gifford, der ihn in seiner „Baviade undMäviade" barkmitgenommen hatte, und d>e sich mit einer Prügelei zwischen Beiden endigte. Spä-terhin bekam er Händel c^idrerArt mit dem Ehemanne einer jungen Frau, der erUnterricht in derKunst scenischer Darstellung gegeben hatte. Indessen wurde dieseAngelegenheit mit einigen Zeitungsartikeln abgethan. Nachdem er das Gesicht ver-loren, starb er 1819 zu Somers-Town 81 I. alt. Die Anzahl seiner Schriftenvon 1778—1813 ist sehr ansehnlich. Eine, jedoch nicht Alles enthaltende, AuSg.erschien 1812. Sie gibt in der Einleitung seine LebenSgeschichle kurz skizzirt. Mehrüber ihn und seine Schriften s. in den „Zeitgenossen", XXI V.

Wole, der schützende Geist der Erde, die uralte Seherin. Don ihr heißtder älteste Theil der Edda Doluspa, das Gesicht der Wole.

W o l f (Christian, Frech, v.), Kanzler der Universität Halle, ein berühmterdeutscher Philosoph und Mathematiker, ward 1879 zu Breslau geb. Sein Vater,ein nicht shr bemittelter, aber gebildeter Handwerker, wendete Alles an, um sei-nem Sohne, der frühzeitig vortreffliche Anlagen zeigte, eine gute Erziehung zugeben. W. erhielt den ersten Unterricht auf dem Gymnasium zu Breslau , und ging1699 nach Jena , um Theologie zu studiren. Doch waren Mathematik und Phi-losophie seine Lieblingswiffenlchaften, mit denen er sich fast ausschließend beschäf-tigte. Mit Eartesius'S u. Tschirnhausen's Schriften machte er sich vor allen bekannt.Er faßte den Entschluß, sich dem akademischen Leben zu widmen, habilitirte sich1703 zu Leipzig durch eine Disputation („1)« >>liil(>roz>I>m pra< tiaa nnivcrssli,nieibcxlo >»!>lbeuu>t>c,i cnnüeripw"), die eine sehr günstige Meinung für ihnerweckte, und hielt mathematische und philosophische Vorlesungen, die häufig be-sucht wurden. Durch verschiedene Werke, die er über einzelne Theile der Mathe-matik herausgab, wurde sein Name auch im Auslande rühmlich bekannt. Als derEinfall der Schweden in Sachsen (1 706) auch ihn von Leipzig entfernte, erhielt erauf Leibnih's Empfehlung (1707) den Ruf als Pros. der Mathematik und Na-turlehre auf die Universität Halle. Hier erwarb er sich durch seine systematischeLehrmethode, sowie durch mehre mathematische Schriften, großen Ruhm. DieDeutlichkeit und Bestimmtheit der Begriffe und L hrsätze in siinen mathemati-schen Verträgen war etwas bis dahin ganz Ungewöhnliches. Daher kam es, daßseine Philosophie, die er, nach dieser Methode bearbeitet, herausgab, allgemeinenBeifall fand, sich schnell durch Deutschland verbreitete, und man anfing, diese Me-Ihode auch auf andre Wissenschaften, nicht selten mit Übertreibung und Pedanterie,zu übertragen. W. wurde jedoch von seinen Eollegen in Halle, besonders von den-jenigen Theologen, welche den damals überhandnehmenden Pietismus begünstig-ten, und deren Grundsätzen seine philosophische Denkart zuwider war, heftig an-gegriffen, für.einen Religionsverächter und Irrlehrer erklärt, und bei der Regierungförmlich angeklagt. Durch eine Eabinetsordre des Königs Friedrich Wilhelm I. ,vom 15. Nov. 1723, ward er seiner Stelle entsetzt, und ihm unter Androhungharter L-trafe (des Stranges) befohlen, Halle in 21 Stunden, und in 2 Tagendie preuß. Staaten zu verlassen. Er fand in Kassel günstige Aufnahme, und beider Universität zu Marburg eine ehrenvolle Anstellung. Der Streit über sein phi-losophisches System ward nun allgemeiner, und fast ganz Deutschland nahm Parteifür oder wider ihn. Indessen erhielt er aus dem Auslande viele Ehrenbezeigungen