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Wolf (Friedrich August)
Lehrstuhle wenigstens einen höh-rn Ton angab als auf der osteroder Schule; seinStäben auf strengere philologische Studien ward von den durch die pädagogischenMeister arg verwöhnten Studenten wenig begriffen. Es gelang ihm indeß bald, un,ter deni Beistände des Ministers v. Zedlitz , das ihm untergebene pädagogische In-st tut in ein philologisches Seminarium umzuwandeln; er stimmte se nm Lehrtenherab, die Studenten gleichwie osteroder Schüler betrachtend, ward nun verstandenund erhielt großen Zulauf. Erst in den letzten 10 I. seines Professorats zu Hallegmg er in den ersten Hähern Ton zurück. Als akademischer Lehrer ging W. seineneignen Weg, den Grundsatz verfolgend, daß das classische Alterthum b.sonders alsVorbild eines aufden edelsten und größten Ideen beruhenden öffentlichen und Pri-vatlebens betrachtet, und so als Bildungsmittel auf Hochschulen benutzt werdenmüsse. Er machte sichs zur Hauptaufgabe seines Arms: die Universität Hallezum Mittelpunkte des umfassendem philologischen Studiums zu machen, den vater-ländischen Schulen tüchtige, gründlich gebildete Lehrer und Vorsteher zuzuführen,und das Schulwesen wo möglich für immer von der wissenschaftelnden Praktik derPädagogen zu befreien. Sich als Schriftsteller zu zeigen, wie die akademischenLehrer es für ihren vorzüglichen Beruf zu halten pflegen, war ihm durchaus nurNebensache; er wollte nicht Schriftsteller, sondern nur Lehrer sein. Bon feinerVielleicht beispiellosen Thätigkeit als Lehrer mag hier nur das angeführt werden, daßer, während der 23 Jahre seines Professorats zu Halle, über 50 verschiedene in-haltreiche Collegien gelesen hat, die bedeutenden Übungen und Vortrüge im philo-logischen Seminarium ungerechnet. Nur zum Behuf einer mythologischen Vor-lesung besorgte er gleich (1184) einen neuen Abdruck der Hesiodischen „Theogsnie",mit Vorrede und einer Art von Commentar aus den gehaltenen Vorlesungen: daserste und einzige Mal, daß er ein Collegium mit einer schriftstellerischen Arbeit inVerbindung setzte. In der Vorrede erkennt man schon aus den vorsichtig hinge-worfenen wenigen Worten die ganze Betrachtungsart der ältesten Kriechen, die erspäter in den Prolegomenen zum Homer vorgetragen, schwerlich möchten vieleJünglinge seines damaligen Alters mit solchen Ideen solange an sich gehalten undsie so oft und vielfach durchgeprüft haben, ehe sie an öffentliche Bekanntmachungdenken mochten. Überall aber war sein Bestreben, die Kränze des Ruhms höherzu hängen. Erwünscht kam ihm zu derselben Zeit die von der Hallischen Waisen-hausbuchhandlung ihm dargebotene Gelegenheit, einen Abdruck der Werke Ho-mer's nach der glaSgowschen Ausgabe zu besorgen; er las seitdem öfter über denganzen Homer. 1192 erschien seine Bearbeitung der Demosthenischen Rede widerLeptines, welche durch vollendete Latinität, Reichhaltigkeit der Einleitung, mu-sterhaften Commentar und scharfsinnige Berichtigungen des Textes seinem Namengroßes Gewicht gab. Ihr folgte 1195 der 1. Th. seiner „Prolegomena zum Ho-mer", in welchem er seine Ansichten von der alten, ursprünglichen Form der „Ilias"und „Odyssee", ihrer mannigfachen Schicksale und von dem ersprießlichsten Wege,auf welchem sie wiederherzustellen sein dürften, ausspricht; mit seltenem Scharfsinnbegründend, geistreich überredend und mit großer Gelehrsamkeit den Leser überzeu-gend, daß „Ilias" und „Odyssee", sowie wir sie haben, nicht das Werk Homer's,sondern mehrer Homerischer Rhapsoden seien. Das Buch machte durch das ganzegebildete Europa unendlich s Aufsehen, erregte vielsiiigen Streit und brachte dienichtigsten historischen, antiquarischen und kritischen Untersuchungen auf die Bahn.So willkommen indeß dem Vers. Widerspruch war, wenn die Angelegenheit da-durch weitergebracht wurde, so widerlich war ihm die hier und da verlautbare Äu-ßerung mehrer Gelehrten: daß ihnen über „Ilias" u. „Odyssee" schon längst gleicheGedanken vor der Seele geschwebt hätten. Sie säumten euch nicht, ihre Träumenun alsbald in ter Taghelle der Wolf'schen Demonstration auf ihre eigne Weiseweiter zu träumen, nicht ohne wunderliche Seitenblicke auf W.'s Verdienst der