Wolfenbüttel Wolfgang (Fürst zu Anhalt) 36S
lich gediegen und anmuthsvcll waren ihre Darstellungen rein naiver und idealerweiblicher Gestalten, z. B. Zpkigenia (in Göihe's Drama gl. N,), Srella, Ma-ria Sruait, Fürstin in der „Braut von Messina ", Klärchen in,Eamont", 7ldel,heid in „Götz von Berlichingen ", Leonore Sanvilale in „Tasso", Eboti in „DonCarlos" u. a. Zn späterer Zeit hat sie noch mehre Charakter« hoher Frauen über-nommen und mit ungemeiner Meisterschaft dargestellt, z. B. Elisabeth in „MariaStuart", Sappho . Allein auch im Scherzhaften hat sie sich vorzüglich in frühererZeit mit Glück gezeigt. Sie verräth überall ritzen kiefeindringenden Verstand, ei-nen sichern Überblick des Ganzen, einen zarten Sinn für die dichtn ischen Schön-heiten ihrer Partie, eine hohe Feinheit in der Schaltirung v«i wandtet Seelenzu-stände; dabei wird ihr Spiel von erster hohen Anmmh beseeft,- und Nichts gelingtihr so als das Hinreißen des Zuschauer« in ruhigen und zarten Momenten. Diegebundene Rede verstanden Beide mit unnachahmlicher Leichtigkeit vorzutragen,und die Costuniirung ohne eitle Glanzsuchk zu ihren, künstle, ischen Zwecke anzu-wenden. — W. mußte wegen Kränklichkeit die Regie des Schauspiels niederlegen.Er starb, 46 Z. alt, den 28. Aug. 1828 zu Weimar , auf der Rückreise aus demBade zu Ems nach Berlin . Seme Gattin steht noch bei der k. preuß. Hofbühne imFuche würdevoller u. leidenschaftlicher Fraucncharaktere und feinerer Anstonderollen.
W o l f e n b ü t t e l, Fürstenthum. Unter diesem Namen begriff man ehe-mals, im wettern Sinne, die Besitzungen der ältern Linie des Hauses Braun-schweig oder Draunsch weig-Wolfe nbüttel (s.d.) im niedersächsischen Kreise.Das Furstenlhum Wolftnbüttel im engern Sinne, als Hauptiheil des Ganzen,enthielt den wolsenbütkel-schöringischen, Harz-und Weser -,Bezirk (58201,060 Einw,). — Die Stadt Wolf«nbüttel, bis 1154 die Residenz derHerzoge v. Braunschweig , liegt in einer niedrigen und sumpfigen Gegend an derÖker, welche durch die Stadt stießt. Sie war mit Festungswerken umgeben, hattein ihrer Mitte ein« Citadelle (die Dammfestung) und enthält mit 2 Vorstädten1000 meistens gut gebaute H. und 6000 E. Sämmtliche Festungswerke sindjetzt abgetragen. Es ist hier ein alles fürstl. Rcsidenzschloß und Zeughaus, einWaisenhaus und ein großes Armenhaus. Dem Schlosse gegenüber ist das schöne,vom Herzog August Wilhelm 1123 m Form des Pantheons zu Rom aufgeführteGebäude, in dessen Erdgeschoß sich die herzogl. Reitbahn, oben aber die berühmtewolsenbüttelsche Bibliothek befindet. Sie ist eine der vorzüglichsten in Deutsch-land , die durch ihren Bibliothekar, I. G. E, Lefsing (s. d.), noch bekannterwurde. Sie besitzt viele Manuscripte (10,000), eine große Anzahl der ältestenDrucke, und soll überhaupt gegen 200,000 (wie Einige glauben, nur 110,000)Bde. enthalten. S.Edert,, Zur Handschriftenkunde", 2. Ddchn., welches ein Ver-zeichnis der griech. und lat. Handschriften dieser Bibliothek enihält (Leipzig 1821).Noch sind zu Wolfenbüttel 3 Pfarikirchen, ein Gymnasium, das immer «inenguten Ruf behauptet hat, und für da? ganze Herzogthum folgende Lbercollegien:das Consistorium, das gemeinschaftliche Oberappellationsgericht für Waldeck, diebeiden lippischen Häuser und ftir die braunschweig . Lande, das Landesgericht, dieLehns- und Grenzcommission. Zn Wolfenbüttel wird ein beträchtlicher Handelmit Garn getrieben; auch werden hier Leinwand, Drell, Papierlopetcn, Leder,lackirte Waaren, Handschuhe, Karten, Vitriol ic. fabricirt.
Wolfgang, Fürst zu Anhalt, geb. 1492. Seine Mutter war Marga-retha, Gräfin zuSchwarzbnrg. Nach dem Tode seines Vaters Welt emar kam er,16 Z. alt, zur Regierung. Sein Hofioger war zu Käthen . Dieser Fürst hatte inKörpersiärke, ritt« sicher Haltung und Gewandtheit kaum seines Gleichen. Erwar von Natur fröhlich und muthig. 1521 wurde Wolsgang in Worms , alsLuther sein Bekenntniß ablegte, dessen jünger und inniger Freund. Als es dieEvangelischen hart anging, sagte W olfxang: „Er wolle lieber Andern die Stiefeln
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