Zeugung 491
genden Kräfte in der Natur sind demnach ein männliches und weibliches Princip(verursachende, zeugende Kraft), in deren Wechselwirkung die Zeugung besteht.Das Männliche verhält sich zum Weiblichen wie Positives z» Negativem, oder alsActives (Thätiges) zu Passivem (Leidendem), oder auch als Bestimmendes zu demDestimmtwerdeuden, was aber nicht so zu verstehen ist, als ob das Männliche dasallein Thätige und Bestimmende, das Weibliche dagegen das rein Passive oder Lei-dende wäre, sondern so, daß das Männliche das vorzugsweise oder überwiegendThätige in Beziehung aus das Weibliche ist, welches daher in der Zeugung (Wech-selwirkung) vom Männlichen mehr bestimmt oder motificirt wird, als umgekehrtdas Männliche vom Weiblichen.— Wenn nun dasVci hältniß der zeugenden Kräftezu einander ein naturgemäßes und normales ist, und wenn kein äußeres Hindernißden Erfolg des Verhältnisses stört, so geht aus der Wechselwirkung Beider einDrittes hervor, welches ein mehr oder weniger erkennbares Ebenbild seiner Erzeu-ger sein muß, und, nach Beschaffenheit der letztem und andrer Umstände, verschie-dene Benennungen erhält, die aus seinen Ursprung deuten, und wovon das WortErzeugniß (Protuct) die allgemeinste ist. Die Wahrh it dieser allgemeinen Ansichtvom Wesen der Zeugung möge vorerst durch Beispiele für den Leser Klarheit undBestätigung erhalten. Alle mineraltsche Körper sind unstreitig Erzeugnisse entge-gengesetzter Elemente. Zedes Element ist aber einerseits Stoff, andrerseitsKraft; der Stoff ist die reale, die Kraft die ideale (geistige) Seite des Elements.Durch die (polare) Entgegensetzung der Kräfte zweier Elemente treten diese mit ein-ander in Wechselwirkung, wöbet gegenseitige Anziehung und Abstoßung stattfin,tet; vcrmöge der Anzi hung entsteh? Vereinigung der Elemente, vermöge der Ab-stoßung Trennung, die allemal zugleich bei jeder neuen Verbindung erfo'gt. Dievereinigten Elemente stellen einen (mineralischen) Körper dar, ein Product der zeu-genden Kräfte der Elemente, welche bei ihrer Erzeugung ihr eigenthümliches Da-sein einander gegenseitig geopfert haben, sodaß der Preis des einen Erzeugnisses derVerlust des individuellen Daseins der Elemente ist. So ist z. B. die Säure demAlkali (der Lauge) polar entgegengesetzt; sie treten daher bei der Berührung miteinander in Wechselwirkung, es entsteht ein Kampf der Kräfte, der sich durch Auf-brausen offenbart, wobei ein Theil der Stoffe in Gasform entweicht, eineFolgeder Zurückstoßung des Fremdartigen, was in de neue Verbindung Versauern undalkalischen Sioss> nicht mit eingehen kann. Das Product dieser Wechselwirkungder verwandten Stoffe ist ein Salz, d. h. ein Erzeugniß, das weder sauer noch al-kalisch. sondern salzig ist, p, h. eine Eigenschaft angenommen hat, welche eine ge-genseitige Durchdringung (ein Einsgewordensein, eine Ineinsbildung) der Säureund Lauge oder deren Eigenschaften ausdrückt. Zn diesem Beispiele sieht man denVorgang einer Zeug'.-'. ;. Die Eigenschaften der mit einander wechselwirkenden«Läure und des Alkali mären t ie zeugenden Kräfte, von welchen man die Säure alsdas männliche, die Lauge als das weibliche Princip betrachten kann, und das Salzist dos Erzeugniß, welches auf Kosten der eigenthümlichen Natur der zeugendenStoffe (der LAmre und Lauge) entstand. Und so ist es in der ganzen sogenanntenanorganischen Natur, in welcher der Chemismus herrscht; alle chemischen Processesind Wichseispiele zeugender Kräfte, woraus unaufhörlich neue Erzeugnisse hervor-gehen, während die alten aufgelöst werden, um wieder andre neue zu zeugen. Danun überhaupt alle Nalm Processe auf polarer Entgegensetzung der Kräfte und derenWechselwirkung beruhen, so trifft die Zeugungslheorie, hinsichtlich ihres allgemei-nen Theils, nothwendig mit der Theorie der Polarität (s. d.) zusammen, d. h.beide sind Eins. Die besondere (specielle) Zeugungstheorie bezieht sich daher auf dieEntstehungsartcn der organische» Dinge im engern Sinne (der Pflanzen, Thiereund Menschen), aber diese besondere Zeugungstheorie muß durch die allgemeineConverstttwus-Lericon. Bd. Xll. 22