Zürichcrsce 571
lomon Geßner, Heidegger, Lavatersind in der Geschichte der deutschen Literatur be-kannt. Auch die Landleute der Umgegend von Zürich haben zum Theil viele Bil-dung ; Hirzel's „PhilosophischerBauer" liefert ein Beispiel davon. Die Sitten derEinwohner Zürichs sind einfacher und strenger als in andern großen Städten derSchweiz; Pracht- und Polizeigesetze halten sie immer in gewissen Schranken. Zürich ist nebst den zunächst lieg-nden Dörfern der Mittelpunkt, in welchem sich die ver-schiedenen Gewerbzweige, die durch den größten Theil des Cantons verbreitet sind,vereinigen. Auß-r den schon erwähnten Baumwollen-, Musselin- und Seiden-manufacturen gibt es Fabriken von Taback, Tapeten, Strohhüten, Tafftschirmen,Talglichtern, Seife, eine Glockengießerei, viele Gerbereien und Färbereien. Mitden Erzeugnissen dieser Fabriken wird ein beträchtlicher Handel getrieben, auch perGetreide- und der Weinhandcl, sowie der SpeditionshandelzwischenDeuschland undItalien sind bedeutend, und die hiesigen Banquiers machen große Wechselgeschäfle.In der Stadt ist der Lindenhofein angenehmerSpaziergang, und vorder Stadtist der Schützenplatz, eine von der Sibl und Limmat beim Zusammenflüsse dersel-bengebildete Landzunge mi.'herrlichen Schattengängen und 2 Denkmälern Geßner'S.Die Gegend von Zürich gewährt viele reizende Spaziergänge und Aussichten, z. B.aufdem Hütliberg , auf der eine Meile entfernten Forche, wo man einen großenTheil der östlichen «Schweiz übersieht, bei Negensberg, wo man die schönste Übersichtder Alpenkeite genießt, und auf dem Schnabelberg oder der Hochwacht auf demAldis, wo man eine deutliche Ansicht der schweizer Gebirge erhält. Zürich hat in denneuern Zeilen mancherlei Schicksale erfahren. Eine alte, fortwährende Spannungzwischen den Regenten und Regierten erleichterte die 1798 von den Franzosen be-wirkte Revolution, von welcher jedoch dieser Canton verhältnißmäßig weniger alsandre litt. In dem Kriege, den die zweite Coalition ( 1799 ) gegen Frankreich führte,und der auch die mit der fränkischen Republik verbundene Schweiz traf, war Zürich ein bedeutender imlüairischer Punkt. Am 1. und 5. Juni 1799 focht hßer der Erz-herzog Karl gegen die Franzosen mit Glück und besetzte am 7. Juni die Stadt. ImAug. sielen neue Gefechte bei Zürich vor. Am 21. Sept. schlug Massma die ver-einten östreichisch-russischen Truppen, und dieser Sieg veranlaßte den Rückzug der-selben aus der Schweiz. Das sonst berühmte und gefüllte Zeughaus zu Zürich , inwelchem man u, a. Merkwürdigkeiten Wilhelm Tell'S Armbrust aufbewahrte, wur-de damals geleert. Vgl. ,I1e„>oiul>Hi.> 'l'iguiinu. neue Chronik oder fortgesetzteMerkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich" (Zürich 1820), und „Dasalte Zürich, historisch-topographisch darg-stellt im 1.1501, mit Erläut. und Nach-trägen bis auf die neueste Zeit herauszog. von Salomon Vogel n" (Zürich 1829).
Zürichersee, nach dem Genferlee der größte in der Schweiz , 5 Meilenlang und höchstens 1; Stunden br-it, gehört theils zuni Canton Zürich , theils zuSt.-Gallen und Schwvz. Lang und schmal, in der Richtung von Südost nach Nord-west, gleicht er mehr einem großen Flusse als einem See, und wird in den obern unduntern See unterschieden. Der obere See fängt in der Gegend von Uznach , vomEmfluße der Linth in denselben, an, und geht in einer Länge von 4 Stunden bisRapperSwyl, wo eine hölzerne, 1850 F. lange Drücke über denselben führt. Derunttre Lee geht von RapperSwyl bis Zürich , welches am Ende desselben liegt,6 Stunden lang, ist gegen 100 Klafter tief und sehrfischreich. Da, wo er an Zürich stößt, gehr die Linth, welche hier den Namen Limmat erhalt, aus demselben hervor.(«^. Zürich.) Die User desselben sind, besonders in der Nähe von Zürich , überausreizend mit Weinbergen und vielen großen und gutgebauten Manufacturdörfernbesetzt, über den Weinbergen erbeben sich nach und nach andre Berge, die immerhöher ansteigen, und zuletzt erblickt man die Gletscher von GlaruS, Schwyz undBündten. Im Kasthofe zum Schwert in Zürich hak man eine vortreffliche Aus-sicht auf den See. Noch mehr Genuß, durch die sich nach und nach eröffnenden wao--