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Zwölfter Band. W bis Z.
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Türkei und Griechenland (1829 und 1830)

gen Platz (6 Märsche von Adrianopel ) der russ. Flotte entreißen wollte. In Sizo-bol fand das russ. Heer Lebensmittel und Munition von Odessa , als es, nach denGefechten am 17., 18. und 19. Juli, in 2 Colonnen unter den Generalen Rüdigerund Roth '), östlich von Schiumla, wo der General Krassowski den Großve-sier eingeschlossen hielt, über den Balkan nach Kiuprikoi vorgedrungen und auf4Brücken, die erst geschlagen werden mußten, über den untern Kamtschik gegangenwar. Am 20. Juli erreichte die Reserve unter dem General Pahlen, nebst demHauptquartiere, Derwisch-Iowan, und am 26. Juli besetzte General DiebilschAidos, nachdem er einige türkische Corps gänzlich geschlagen hatte; zugleich fielendie wichtigen Plätze Mesambri, Achioliou und Burgas in seine Gewalt. So imBesitz der Kostenpunkte zog er gegen Adrianopel , wo er am 20. Aug. ohne Wider-stand mit Capitulation einrückte; zugleich ward Kirkilissa, 20 Meilen von derHauptstadt, besetzt. Die Generale Roth und Budberg drangen hierauf ohne Hin-derniß gegen Konstantinopel vor, und Roth nahm Rodosto ein (16 Meilen südlichvonKonstankinopel, bei den Dardanellen, am Marmormeere, mit 40,000 Einw.).Auch halte sich der Admiral Greigh am 19. Aug. der Seefestung Ineadas (17Meilen von Konstantinopel , am schwarzen Meere, östlich von Kirkilissa) bemäch-tigt. Dem vereinigten Angriffe zu Land und See, von Heyden, Greigh, Rothund Diebilsch, konnte jetzt das stolze Stambul nicht widerstehen. Allein diploma-tische Rücksichten und des russischen Kaisers Mäßigung beschleunigten den Abschlußdes Friedens zu Adrianopel am 14. Sept. 1829. Dadurch wurden auchdie Fortschritte der russ. Waffen in Asien gehemmt. Hier hatten die Generalma-jore Murawjew und Burzow am 26. Juni einen türk. Heerhaufen im Engpässe vonPozhov vernichtet. Darauf zog der Oberfeldherr, der Feldmarschall Paskewitsch-Eriwanski, von Kars dem Weraskier entgegen, drang am 1. und 2. Juli über diesteilen Höhen des SaganlughgebirgeS (10 Meilen von Erzerum) und schlug diebeiden Heerabkheilungen des Seraskiers von 30,000 und 20,000 Mann gänzlich.In Folge dieses Sieges ward die feste Hauptstadt Natoliens, Erzerum (27,000H., 100,000 E.), am 9. Juli erobert, und der russ. Feldherr hatte bereits in 2Abtheilungen den Marsch gegen Trebisonde, den wichtigsten türkischen Hafen amschwarzen Meere, und gegen Tvkat, auf der Straße nach Scutari , angetreten,als die Friedensnachricht eintraf.

Iu Konstantinopel hatten bisher der britische Gesandte bei der Pforte (seitdem 10. April 1829 Robert Gordon, Lord Aberdeen's Bruder) und der französi-sche, General Guillemmot — dieser jedoch bloß als außerordentlicher Botschafterzur Unterhandlung eines Vertrages in Bezug auf Griechenland —, welche am 18.Juni 1829 nach Konstankinopel zurückgekehrt waren, vorzüglich aber der preuß.Gesandte, Hr. v. Royer, welcher um dieselbe Zeit feinen Posten angetreten hatte,denSulta» zum Nachgeben zubewegen sich bemüht, jedoch vergebens. Auch Gen.Diebitsch hatte schon im Juni den russ. Staatsrath Fonton ins türk. Lager nachSchiumla geschickt, worauf einPfortendolmetsch ins russ. Hauptquartier kam, undder türk. Bevollmächtigte bei den Akermaner Conferenzen aus dem Epile zurücknach Konstantinopel berufen wurde. Allein der Sultan entschloß sich nicht eher,als bis die Russen den Balkan überschritten hatten, über den Frieden zu unterhan-deln. Der Kaiser Nicolaus dagegen hatte bei jedem Siege seine unverändertenfriedlichen Gesinnungen wiederholt erklärt, und bei seiner Anwesenheit in Berlin (im Juni 1829) den König v. Preußen veranlaßt, den Generallieut. Baron v.

*) Der General Heinrich Franz Tavcr Mathias Roth, geb. am 3. Dec. 1779,stammt von einer der ältesten elsastischcn Familien ab. Sein Vater war Artillerie-Marstchal-dc-Eams in franz. Diensten, wanderte in der Revolution aus, und derjunge Roik trat im Jahr I 80 t> als Hauptmann in russ. Dienste. Der Vater kehrtespäterhin nach Frankreich zurück und starb zu Dambach am 3. Juni 1817.