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Polyembryonie und Keimung von Caelebogyne : ein Nachtrag zu der Abhandlung über Parthenogenesis bei Pflanzen / von A. Braun
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weichendes Exemplar erscheinen, wie man z. B. an Bergabhängen, w r elchemit Sarothamnus scoparius bedeckt sind, von weitem zuweilen ein Exem-plar unterscheidet, welches durch heller gefärbte, milchig-gelbe Blüthenausgezeichnet ist. Allerdings giebt es auch solche Pllanzen, die eine grö-fsere Beweglichkeit der specifischen Charaktere zeigen und in eine Menge,oft untermischt vorkommender Formen sich spalten, wie dies z. B. bei Cal-tha palustris , Nymphaea alba, Thymus Scrpillum , Juncus lamprocarpusder Fall ist, doch kann auch von diesen nicht behauptet werden, dafs jedesaus Samen entstandene Exemplar eine besondere und unterscheidbare Mo-dification in der Darstellung der Species repräsentire.

Es ist bekannt, dafs die aus Samen entstandenen individuellen Varia-tionen bei Pllanzen, deren Sprofsbildungsverhältnisse dazu geeignet sind,sich ungeschlechtlich vervielfältigen, ausbreiteji und erhalten können, wel-ches künstlich herbeizuführen ein gewöhnliches Verfahren der Gärtner ist.Aber es ist auch bekannt, dafs aus solchen idiotypischen Individuen eineVarietät oder Race hervorgehen kann, welche sich durch geschlechtlicheFortpflanzung erhält. Nur selten tritt in solchem Falle die Haltbarkeit schonin der ersten Generation ein. Die Kunst sucht alsdann in der Art nachzu-helfen, dafs sie bei wiederholten Aussaaten immer diejenigen Sämlinge fürdie nächste Aussaat bestimmt, welche am entschiedensten den Charakterder Varietät an sich tragen, welche erhalten oder auch in ihrer Eigenthiim-

einzelnen, zur freien Persönlichkeit gesteigerten Individuum eine Bedeutung zukonimt, diedem tliierisclien und pflanzlichen Individuum noch ganz abgeht. Nichts desto weniger wirdman eine analoge durchgreifende Verschiedenheit auch aller thierischen und pflanzlichen In-dividuen nicht läugnen können, nur wird dieselbe in der Mehrzahl der Fälle so gering oderselbst, wegen der Unmöglichkeit das Angeborene und Zufällige sicher zu trennen, so un-nachweisbar sein, dafs sie bei der Beurlheilung von Idiotypie und Zelotypic nicht in An-schlag gebracht werden kann. Denn wollte man den Begriff der Idiotypie in diesem Sinneausdehnen, so würde er den der Zelotypie gänzlich verschlingen und somit jede Möglich-keit beide zu unterscheiden aufhören. Eine vollkommene Identität kommt auch unter unge-schlechtlichen Individuen nicht vor; ja nicht blofs den Individuen, sondern seihst den gleich-artigen Theilen des Individuums, z. II. den Blättern eines Baumes, bis herab zu den Zellendes Gewebes, kann in diesem strengen Sinne eine durchgreifende Eigenthiimlichkeit und Ver-schiedenheit nicht abgesprochen werden. Gäbe es eine ungeschlechtliche Vermehrung derMenschen, und vielleicht giebt es eine solche durch Kcimtheilung, so würde sich in den soerzeugten Individuen die individuelle Verschiedenheit gewifs nicht weniger aussprechen, alsin den geschlechtich erzeugten.