Von der Figur der Erde und des Himmels. s
als auf der Erdoberflaͤche, welches in dem folgenden gezeiget wer-den ſoll. Aber dieſer Satz, daß die Erde eine ebene Figur ſey, iſtdoch anfangs geglaubt und von den groͤſten Kirchenlehrern alseine goͤttliche Lehre und ein Glaubensarticul verfochten worden(2), ja noch jetzt wird er von unerfahrnen behaubtet, ob er gleichan ſich ſelbſt falſch iſt b
§. 2. 1
So bald wir den Himmel anſehen, duͤnkt uns ſeine Figurein dunkles(b5) des Nachts mit Sternen ausgezieretes und desTages von der Sonne erleuchtetes Gewoͤlbe zu ſeyn. Der Son-nenſchein benimmt uns das Geſicht und hindert uns, das geringe-re und ſchwaͤchere Licht der Sterne zu ſehen. Aber wir habenExempel, daß die Sonne ganz verfinſtert und die Sterne ſo gleichſichtbar geworden. Auf ſelbige Art geſchiehet es, daß wir beyſtarkem Mondſchein nicht alle Sterne gewahr werden, welche wirbey dunkler Nacht am klaren Himmel erblicken. Dieſe Prachtdes geſtirnten Himmels iſt unbeſchreiblich, und die mehr und we-niger glaͤnzende Lichter pflegen die Zuſchauer einzunehmen. Wennaber dieſe den Himmel eine kleine Weile anſehen, ſo bemerken ſie,daß dieſes Gewoͤlbe ſich verruͤckt. Dieſe Verruͤckung wird vonden Aſtronomen die taͤgliche Bewegung der himmliſchen Coͤr-per genannt. Ihre Aufmerkſamkeit hat gefunden, daß die him-liſchen Cöͤrper ſich gemeinſchaftlich zu verruͤcken ſcheinen, und ineiner Zeit, die wir einen Tag oder vier und zwanzig Stun-den nennen, wieder zu derſelben Stelle kommen. Eine ſolche(*) Iaant. Divin. L. 13. C. 24, A9GuSTIN de civit. Dei. L. 16. C. 10
Bonif. Annal, Boj.
(5) Die dunkelblaue Farbe des von andern aber den Waſſerduͤnſten,Himmels bey klarem Wetter wird die in der Luft hangen; noch anderevon einigen Naturkundigen der Luft halten ſie fuͤr eine Miſchung vonzugeſchrieben, welche dieerde umgiebt, Licht und Dunkelheit. 1b
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