4 Erſtes Capiteldieſe Ebene liegt gegen iede lothrechte Linie, bas iſt, gegen dieRichtung der Schwere oder ihren Weg winkelrecht. Die
lothrechte Linie wird eine Verticallinie oder bloß Vertical ge-nannt. Zwar iſt die Oberflaͤche des flieſſenden Waſſers und be-
ſonders der Stroͤme gegen die Richtung der Schwere nicht win-kelrecht; aber ihre Neigung entſtehet von dem Abflieſſen des
Waſſers, und wird groͤſſer und kleiner, nachdem der Fluß ſchneller
oder langſamer iſt. Die Geſchwindigkeit richtet ſich nach dem
Verhalten des Flusbettes, und waͤchſet, je naͤher die Neigung deſ-ſelben oder deſſen Richtung der Verticallinie komt. Um die Fi-
gur der Erde zu finden, muß man ſich daher nicht nach den Ober-flaͤchen flieſſender, ſondern ſtillſtehender, Waſſer richten: indem
die Figur der Erde keine andre ſeyn kan, als welche ihr imGleichgewicht zukomt. Hieraus folgt, daß Meere und Seen Theilevon der wahren Figur der Erde darſtellen koͤnnen.
Wir wiſſen daß Meere und groſſe Seen durch Meerengenund unterirdiſche Gaͤnge untereinander Gemeinſchaft haben, da-her koͤnnen wir ihre Oberflaͤchen als zuſammenhangend anſehen,ob ſie gleich durch das trockne Land unterbrochen werden. Da-her iſt auch bey ihren groͤſten Abſtande die Fizur der Erde einund eben dieſelbe... 1—“Die ebene Oberflaͤche des Waſſers giebt gleich Anleitung dieErde fuͤr eine nach allen Seiten ausgeſtreckte Ebene anzuſehen.Wenn wir uns gegen ein Meer wenden oder auf ſelbiges ſchiffen,ſo duͤnkt uns, ſolche Ebene ſey ſo weit ausgebreitet, bis ſie den ſogenanten Himmel erreichet, an welchem alle Sterne befeſtiget zuſeyn ſcheinen. Dieſer Anſchein muß uns nicht verleiten, zu glau-ben, die Figur der Erde ſey durchaus eben. Unſer Geſichtkreisiſt ſo klein gegen die Groͤſſe der Erde, daß es unmoͤglich iſt, dieRundung der Erde durch unſer Augenmaaß zu bemerken; wirmuͤſſen irgend ein ander Mittel aufſuchen, um uͤber groͤſſere Stre-cken zu urtheilen, und wir finden dergleichen ſo wohl am Himmel.. als
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