Band 
II.ter Theil.
Seite
33
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Von der wahren Figur der Erde. 33

Es ſey der Kreis⸗ABD(Fig. 7) ein Meridian auf derErde; wenn nun der Bogen Aa eben ſo lang iſt, als der BogenBb, ſo muß auch Aa ſo viel Grade enthalten als Bh; und um-gekehrt, wenn die Bogen Aa und Bb gleich viele Grade enthal-

ken, ſo muͤſſen ſie auch gleich groß ſeyn. Wenn daher in dem

Meridian in A ein Grad Aa, und in B auch ein Grad Bb ge-meſſen wird, ſo muß man ſie allezeit gleich lang finden. Aberſo iſt es auf der Erdkugel nicht, ſondern man hat gefunden, daßdie Laͤnge der Grade an dem Pole am groͤſten, und an dem Ae-quator am kleinſten ſind. Die Grade, welche weiter vom Ae-

8 quator weg liegen, ſind groͤſſer gefunden, als die, welche ihm naͤ-her liegen. Alſo hat man ſchlieſſen koͤnnen, daß die Groͤſſe der

Grade von den Polen nach den Aequator in einem jeden Meri-dian abnehme. Dies kommt nun einem Kreiſe nicht zu, unddaraus erhellet, daß die Meridiane der Erbe keine Kreiſe ſind.CEs ſey PABE(Fig. 8) ein Viertheil eines Meridians

auf der Erde, Aa ein nahe an den Polen abgemeſſener Grad,

Bb ein ſolcher Grad nahe am Aequator, und Aa ſey groͤſſer ge-funden als Bb, wie die Erfahrung zeuget; nun kann man die

kleinen Bogen Aa, Bb als Circulbogen anſehen, und die Ver-

ticallinien durch A und a, imgleichen durch B und b koͤnnen alsihre Halbmeſſer betrachtet werden, indem ſie in dieſen Punctenſenkrecht auf die Bogen ſtehen.§. 1. Die Verticallinien durchA und a moͤgen nun einander in D ſchneiden, und die Vertical-linien durch B und b einander in d, ſo iſt D der Mittelpunctfuͤr den Bogen Aa, und d iſt der Mittelpunet fuͤr den BogenBb. Die Winkel ADa, Bdb halten jeder einen Grad, wiedie gemeſſene Bogen Aa, Bb; daher ſind die Sectors ADa,Bdb, aͤhnlich, und es verhaͤlt ſich Aa zu Bb, wie ADzu Bd;aber es iſt Aa groͤſſer als Bb, alſo iſt auch A0 groͤſſer als Bd,oder der Bogen Aa iſt weniger gekruͤmmt als der Bogen Bb.Daher pflegen die Aſtronomen und Erdbeſchreiber zu ſagen, dieFigur

Weltbeſchr. II. Theil, E. der