widmen, finden in Privat⸗Kaſſen, welche zu dieſem Behufvon reichen Perſonen gegruͤndet ſind, Unterſtuͤtzung, umin Zuͤrich oder anderwaͤrts zu ſtudiren. Liebe der Wiſſen-ſchaften iſt in dem letzten Jahrzehent in dieſes Thal ein-gezogen und es beſteht jetzt eine reformirte moraliſche Ge-ſellſchaft, welche die beſten aͤltern und neuern Werke undZeitſchriften ankauft, und unter ihre geiſtlichen und welt-lichen Mitglieder herum gehen laͤßt. Bei den jaͤhrlichenZuſammenkuͤnften werden Vorleſungen gehalten, wovonmehrere ſchon im Druck erſchienen ſind. Ekhard deralte, Moͤnch zu St. Gallen , Kronikſchreiber im 10. Jahr-
hundert, und Krafton Minneſaͤnger im 13. Jahrhun-3
dert, waren beide Toggenburger. Doch wozu ſoll ich hierunbedeutende Schriftſteller nennen, wo der Name einesgroßen und merkwuͤrdigen Mannes mit unvergaͤnglichemRuhme glaͤnzt! Ulrich Zwingli iſt ein Toggenburger.
Wer kennt nicht dieſen aufgeklaͤrten und edlen Diener der
Wahrheit, dieſen Raͤcher der Vernunft, welcher mit derHeldenkraft einer tugendhaften Seele die ſchaͤndlichen Feſ-ſeln des verruchteſten Despotismus zerbrach, und nebſtLuther , dem deutſchen Herkules, das Haupt einer Re-volution wurde, welche die Geiſtesfreiheit der Menſchheitrettete und dadurch die Wiedergeburt aller Voͤlker begann.Tiefe und heilige Verehrung lebe in den Herzen jedes Gu—ten und Redlichen fuͤr dieſe Wohlthaͤter des Menſchen—geſchlechts, fuͤr dieſe aͤcht tugendhaften und gro—ßen Maͤnner, welche ein Stolz des germaniſchen Volkesſind. Zwingli ward den 1. Jenner 1484 zu Wilden-haus, dem hoͤchſten Bergdorfe Toggenburgs geboren.Sein Vater, Amman (Praͤſident) des niedern Gerichts,uͤbergab den Knaben ſeinem Bruder, der als Pfarrer zuWeſen am Wallenſtadterſee lebte. Dieſer ſandte den jun-gen Ulrich, als er das zehute Jahr erreicht hatte, nach