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2 (1802) Schilderung des Gebirgsvolkes vom Kanton Glarus und der Vogteien Uznach, Gaster, Sargans, Werdenberg, Sax und Rheinthal, des Toggenburgs, der alten Landschaft, der Stadt St. Gallen und des östlichen Theils des Kantons Zürich / von Johann Gottfried Ebel
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mit ungeheurer Wuth auf die Waſſerflaͤche, welche dannnicht langgezogene Wellen waͤlzt, ſondern himmelwaͤrtsdem raſenden niederſtuͤrzenden Sturme entgegen ſich thuͤrmt.Der Anblick des Sees iſt dann fuͤrchterlich und der Unter-gang fuͤr die Schiffenden faſt unvermeidlich. Kein Meuſchwagt ſich dann auf den See; alle Waaren bleiben zu We-ſen oder Wallenſtadt mehrere Tage liegen, und die Rei-ſenden, welche nicht warten koͤnnen, muͤſſen ihren Weguͤber das Kerenzgebirge nehmen.

Weſen iſt der Landungsort am weſtlichen Ende desWallenſees, und der Hafen des Kanton Glaris, wo ihmGetreide, Wein und Baumwolle ausgeſchifft wird. Hinterdem Flecken erhebt ſich der fruchtbare hohe Oberſpiz, aufdeſſen Fuß einige Landhaͤuſer zwiſchen Obſtbaͤumen undWeinreben ſtehen. Die Ausſichten von dieſen Staudpunkten ſind herrlich. Ehemals war Weſen ein wohlhabendes Staͤdtchen. Wegen des Meuchelmords, welchendeſſen Einwohner im Jahr 1387 an der helvetiſchen Be-ſatzung begingen, wurde es verbrannt, und ſeitdem hatſich dieſer Ort nie wieder erholt. Jetzt iſt es ein betruͤbterFlecken voll armer und krauker Einwohner. Alle Jahrewird der ganze Ort wenigſtens einmal, dſfters zweimaluͤberſchwemmt, und bisweilen dergeſtalt, daß man ausden Kaͤhnen in den erſten Stock der Haͤuſer einſteigt.Moraſt und Schlamm fuͤllt hier, ſo wie zu Wallenſtadt,die Straßen, und lange nach der Zuruͤcktretung des Seesmuß man uͤberall auf Bretern neben den Haͤuſern hingehen.

Der weite Thalgrund zwiſchen dem Oberſpiz, demWalen⸗ Urner⸗ und Biltnerberg iſt gleichfalls denſelbenUeberſchwemmungen ausgeſetzt, und zeigt ſtatt den ehe-maligen vortrefflichen Wieſen jetzt einen unuͤberſehbaren

Sumpf,