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2 (1802) Schilderung des Gebirgsvolkes vom Kanton Glarus und der Vogteien Uznach, Gaster, Sargans, Werdenberg, Sax und Rheinthal, des Toggenburgs, der alten Landschaft, der Stadt St. Gallen und des östlichen Theils des Kantons Zürich / von Johann Gottfried Ebel
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330
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F

Der katholiſche Landrath beſteht aus den Staatshaͤup-tern, 15 Nathsherren und allen Richtern.

Das Haupt des Landraths, ſo wie jedes Gerichts,iſt der Landamman, oder der Landes- Statthalter, welcherbei gleich getheilten Stimmen den Ausſchlag giebt.

Jeder Landrath verwaltet in ſeinen Bezirken Polizei,weiſt ſtreitende Partheien vor Behoͤrde, richtet uͤber Lebenund Tod, fuͤhrt Aufſicht uͤber Arme und uͤber Vormuͤnderder Waiſen, beſorgt die Kirchenſachen, Kriegskapitulatio-nen und Werbungsgeſchaͤfte, ertheilt den Geſandten Vorſchriften uͤber ausſchließende Punkte u. ſ. w.

Der reformirte Landrath ernennt die Glieder des Ehegerichts, welches uͤber alle Eheſtreitigkeiten unter den Re-formirten urtheilt. a

20.

Die in den Tagwen ernannten Rathsherren bleibenes lebenslaͤnglich, ausgenommen wenn ſie ſich eines Ver-brechens oder des Ehebruchs ſchuldig machen.

Zieht ein Rathsherr aus ſeinem Tagwen in einen an-dern, ſo kann er nicht mehr Stellvertreter jenes Tagwen

ſeyn.

Vater und Sohn, oder 2 Bruͤder, duͤrfen nicht zu-gleich Rathsherren oder Glieder eines und deſſelben Ge-richts ſeyn; aber es iſt erlaubt, daß der Vater ein Staats-amt bekleide, der Sohn Rathsherr ſey, daß der eine Bru-der im Neuner, der andere im Fuͤnfer-Gerichte ſitze, alſo auf dieſe Art doch zu gleicher Zeit Glieder des Land-raths ſind.

ö 21.

Jeder zu einem Amte ernannte Landmann muß den

Gauz⸗- oder Praktizir⸗Eid leiſten; thut er es nicht,

ſo