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Beschreibung der Mondländer auf Section IV.
gesehen weiden. Nördlich von ihm erkannte ich noch einige kleinere Höhen, und sah auf der Fläche,westlich demselben, zahlreiche von Arisliilus abgehende Streifen, und zwischen 33- und 44? nördlichvon Arcliimedes, einige Bergkcgel, bemerkte auch in der grauen Niederung, nordöstlich der Bergreihe45 - 46- einige sanfte Erhöhungen.
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Apenninen - Gebirge.
Die Bergreihen dieses höchst merkwürdigen Hochlandes erfüllen einen grossen Thcil der vorliegen-den Section, und trennen das Marc imbrium vom Sinus aestuum, vom Mare vaporutn und Mare se-renitalis. Sie zeigen die mannigfachsten Abwechselungen und die grössten Thalgründe, erheben sichzu den bedeutendsten Höhen, haben verhältnissmässig die wenigsten riugförmigen Vertiefungen und
beginnen auf der Ostscite hei dem grossen Binggebirge
EratOSthenes , c ) das gegen/10 Meilen im Durchmesser hat, auf der vorliegenden Section nurzur Hälfte verzeichnet werden konnte, und dessen Gebirge auf der Ostseite nach Schröter (Th. I. S.245. und 246.) 5527 und 9140 Par. Fuss hoch sind, auf der Westseite aber hei 47- und 48* diegrössten Kuppen haben, und auf der Höhe östlich der letztem ein tiefes Grübchen zeigen. Mit die-seu Gebirgen, meistens parallel, geben mehrere am äussern Abhänge derselben gelegene Bergreiheu,werden stufenweiss niedriger und entfernen sieli von ihnen auf der südlichen Seile am weitesten.
Das Ringgebirge umschliesst eine nach Schröter (Th. I. S. 245.) unterm westlichen Gebirge 6749Par. Fuss vertiefte Fläche, die von einigen niedern Bergreihen durchzogen ist, und auf der sich eingrosses Centralgebirge erhebt, dessen selenographischer Ort sich nach meinen 9 Beobachtungen in
11° 32' i\ u östlicher Länge und 14° 25 / 46 // nördlicher Breite, nach T. Mayers Vergleichung mitandern Gebirgen in 12° JA östlicher Länge und 14° 39 / nördlicher Breite befindet. Die innere
Fläche des Eraloslhenes und ein Thcil des Bundgebirges ist grösslenlhcils von grauer Farbe und kann
in hoher Beleuchtung nur in unbestimmten Umrissen gesehen werden.
Mit dem Eratosthencs bei der hohen Kuppe 48* verbunden, geht von hier das Apenninen-Gebirgein einer schmalen, mit meinem vortretenden Bergköpfen versehenen hohen Bergreihe von heller Farbewestlich, und bildet bereits nach 9 Meilen das tiefe Thal 49? das vom Sinus aestuum zum Mare im-briuni geht und ein kleines tiefes Grübchen deutlich zeigt. Neben diesem Thale , ganz von Niede-rungen umgeben, erhebt sich das helle Gebirge I. zu beträchtlicher Höhe. Es ist 5,5 Meilen lang,
*) Eratosthencs war ein sehr geschickter, scharfsinniger Astronom und Bibliothekar zu Alexandrien , istaus Cyrene gebürtig, lebte 220 Jahr vor Chr., und soll im Boston Jahre seines Alters, aus Verdruss überden Verlust seiner Augen, seinen Tod durch Hunger herbeigeführt haben. Seinen Wünschen gemäss, liessPLolemaeus Evergeles die grossen Armillar-Sphären verfertigen, mit denen später Hipparch und Ptolemaeuswichtige Beobachtungen machten. Aus seiner Bestimmung der Lage der Sonnenbahn wissen wir, dass diesesich dem Aequator immer mehr nähert. Er erörterte zuerst die Grösse der Erde nach richtigen Grundsät-zen, gab sie in Stadien an, und erwarb sich überhaupt um die mathematische Geographie viele Verdienste.