Buch 
Topographie der sichtbaren Mondoberfläche. Erste Abtheilung / Wilhelm Gotthelf Lohrmann
Entstehung
Seite
101
JPEG-Download
 

Beschreibung der Mondländer auf Section IV.

101

und zum Theil eben so breit, fallt nach dem Mare imbrium sehr steil ab und zeigt auf seinen Höhenmehrere vorstehende Kuppen und zwei runde Vertiefungen.

§. 114 .

Wolf.) Von r. nur durch das kurze, vom Sinus aestuum zum Marc imbrium gehende unddurch eine kleine Höhenreihe gelheilte Thal. 50 - getrennt, erbebt sich dieses Gebirge in der miltleu in7° 15' östlicher Länge und 10° 30 / nördlicher Breite gelegenen Kuppe nach Schröters zweifachen Mes-sungen (Th. I. S. 23ü und 237.) 11319 Par. Kuss, bildet in sich mehrere Thäler und endet in Sü-den vor einer engen Schlucht, bei dem kleinen hellen Vorgcbiigc 51 * Hier erbreiten sich die Apcn-ninen und gehen neben dem Sinus aestuum in ciueu hohen Bergrücken bis an das Vorgebirge 52 - hm,wo ich am westlichen Abhänge ein tiefes und helles Grübchen mehrmals deutlich erkannte. DieserBergrücken führet mehrere kleine Thäler dem westlich neben Wolf zum Marc imbrium gehenden gros-sem Thalgruudc zu. Wolf zeichnet sich in den hohem Bergen durch eine Helligkeit von 8° aus,und kann mit den anliegenden Bergrücken neben der grauen Fläche des Sinus aestuum leicht erkanntwerden.

K.) Westlich der vorbeschriebenen Berge steigt dieser Theil der Apenuinen zu einer beträchtli-chen Höhe an, ist mit den vielfältigsten Kuppen bedeckt, und drängt sich keilförmig in den zwischenWolf und L. gelegenen Thalgrund, welcher in einer engen Schlucht zum Marc imbrinm geht, sichin dem Apcnuineu-Gcbirgc erbrcilct, die vor dem hohen Rücken 53 - gelegenen Bergkuppen umschhesst,sieh dann zu beiden Seiten des Gebirges K. hiuzicht, und sich zum Theil mit Lenachhart.cn Thälernvereinigt. Der höchste Punkt der Gegend liegt auf einem Bergrücken in 5° östlicher Länge uud14° 25 / nördlicher Breite, glänzt in 8° hellem Lichte und ist selbst im Vollmonde zu erkennen.Südlich von demselben geben zwei hellgraue Bergreihen dem Sinus aestuum zu, enden olinfern derzwei hellen Grübchen 54? und haben liier noch mehrere andere flöhen zur Seile, die sich in einergrauen Farbe zeigen, und von einer dunkclgraucn Niederung umgehen sind.

*) Christian Frhr. von Wolf, Kanzler der Universität zu Halle, gleich berühmt als Philosoph und Ma-thematiker, wurde am 24. Jan. 1679 zu Breslau geboren, erhielt auf dem dasigen Gymnasio den ersten Un-terricht, sludirte dann, dem Willen seines Vaters gemäss, von 1099 an in Jena Theologie, hörte aber auchMathematik und Philosophie bei dem berühmten lfambcrger. Er übte sich im Predigen, hielt 1703 seineerste Vorlesung über Mathematik in Leipzig , und machte sich bald durch die Herausgabe mehrerer vorzüg-lichen mathematisch- philosophischen Werke im Auslande vortheilhaft bekannt. Im October 1706 erhielt ereine Anstellung als Professor der Mathematik in Halle, und erwarb sich hier durch seine systematischeLehrmethode und durch seine Schriften grossen Ruhm. Der allgemeine Beifall, der ihm ward, erweckteihm aber auch Neider. Er wurde, seiner philosophischen Denkart wegen, von seinen Collcgcn in Halleimgefeindet, für einen llcligionsverralher angesehen, und in Folge unrichtiger Vorstellungen, mittelst Ca-binetsordro vom 15. Novbr 1723, vom König Friedrich Wilhelm 1. seiner Stelle entsetzt, und musste (heiVermeidung des SLranges) hinnen 24 Stunden Halle und in 2 Tagen die preussischen Staaten verlassen. Erfand heim Landgrafen Carl von Hessen-Cassel die ehrenvollste Aufnahme, und die Anstellung als ersterProfessor hei der Universität in Marburg , und fing m it Beginn des Jahres 172*4 daselbst seine Vorlesungen