54 Von den allgemeinen Grundsätzen
Diejenigen Grundsätze, wodurch man nur allein denRegenten groß, reich und mächtig zu machen suchet,verdienen also nicht den geringsten Beyfall. Es istselbst keine wahre Glückseligkeit des Regenten; undein verarmtes Land zieht in der Folge selbst dieSchwache und Armuth des Monarchen nach sich.Es sind dieses die Grundsätze des Machiavells, vondem aber viele glauben, daß er sein Buch als eineSatyre geschrieben habe. Welches er aber, wennes wahr seyn sollte, sehr ungeschickt geleistet hat; in-dem viele Lehren keine andere als eine ernstliche Aus-legung zulassen *).
Daß es dem Nachiavell in der That ein Ernstmit seinen Lehrsätzen gewesen, ist vornehmlichdaraus zu schließen, daß er die Bibel öfters znseinem Vortheil anzuführen suchet. Unterdessenist es auf der andern Seite eben so unbegreiflich),wie ein Mann von gutem Verstände und Scharf-sinnigkeit, welche Machiavell in seinen Schrif-ten, besonders in seiner Historie, allenthalben be-zeuget , auf solche ungeheure Lehrsätze verfallenkönnen. Die allernicderträchtigstc Schmeiche-let) gegen ungerechte Prinzen müßte seine Federbeherrschet haben. Hierzu kömmt, daß man über-zeugend weiß, daß LNacbiavcll vollkommen re-publikanisch gcstnnet gewesen ist, und sich zu Be-hauptung der Freyheit von Florenz in eine Con-spiration eingelassen hat. DaS wahrscheinlichsteist also, daß er in der That nichts anders, als ei-ne Satvre, wider die damaligen Regenten in Ita-lien schreiben wollen, daß er aber, aus Furcht vorihnen, und insonderheit die Gewogenheit des Han-fes t.lccliees nicht zn verscherzen, diese seine Ab-sicht so sehr verstecket hat, als es ihm nur immermöglich gewesen ist. Es ist aber der Machiavellvon einer Menge Gelehrten, theils wohl, theilsübel widerleget worden. Die beste Widerlegungist unstreitig in dem Antimachiavell geleistet, denman einem großen und weisen Prinzen bcnmißr,
welcher