90 Von dem weiſen Betragen
Krieg uͤberziehet; da man denn alle Gelegenheithat, daſſelbe mit vereinigten Kraͤften zu ſchwaͤ-chen. Ich habe alles dieſes in einem juͤngſthinherausgegebenen Tractat, die Chymaͤre des Gleich-gewichtes von Europa betitelt, mit ſtarken Gruͤn-den ausfuͤhrlich erwieſen.
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Bey ſolchen Bey allen ſolchen Maaß egeln, die ein Staat zu
ſeiner Sicherheit ergreift, muß er nie Treu und
Glaube nie ver Glauben verletzen; ſondern ſolche auf das heiligſteletzet werden. und unverbruͤchlichſte erhalten. Dieſe ſind gleichſam
die geheiligten Baͤnder der menſchlichen Geſellſchaft;und je erhabner die Monarchen ſind, deſto eher mußihr großes Beyſpiel dem menſchlichen Geſchlechtezum Vorbilde dienen. Ja wenn Treu und Glaubevon dem ganzen Erdboden verbannet waͤre; ſo ſollteer doch auf den Thronen wohnen, als welche derBrunnquell aller geheiligten Geſetze und Anſtaltenunter den Menſchen ſind. In der Verletzung Treuund Glaubens beſteht auch nichts weniger als eineWeisheit und Staatsklugheit. Ein Bauer kannden kluͤgſten Mann betruͤgen, wenn dieſer ein gutesZutrauen auf ihn hat. Er betruͤgt ihn aber nureinmal. Eben ſo hat ein Monarch oder Miniſtervon dergleichen Verfahren nur einmal Vortheil;und auch dieſer iſt oͤfters gar ſchlecht*). Woll-te Gott, daß die Geſchichte keine Beyſpiele voneinem ſolchen Verfahren unter freyen Maͤchtenhaͤtte**).
*) Man wird ſelten finden, daß die Verletzung Treuund Glaubens, und die liſtigen Betruͤgereyen den-jenigen Erfolg gehabt haͤtten, den man ſich davonverſprochen hat. Man gehe die Geſchichte durch;ſo wird man faſt allemal finden, daß dergleichenVerfahren entweder ſeine Wirkung gar nicht er-
reichet