muß zufoͤrderſt
ſten Staats-und Krieges-Bedienten auf-merkſam ſeyn.
§. 88.
Der Regent Die erſte Aufmerkſamkeit muß ein weiſer Regentauf ſeine ober⸗ auf ſeine oberſten Staats⸗ und Kriegs⸗Bedienten
richten. Er muß ſie nicht nach ſeinen Leidenſchaf-
114 Von der Aufmerkſamk. des Regenten
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ten, ſondern nach ihren Verdienſten erwaͤhlen; undda er ihre Faͤhigkeiten zu beurtheilen im Standeſeyn ſoll; ſo muß er einem jeden ſeine rechte Stelle
geben, die er zu Folge ſeiner Geſchicklichkeiten zu be-kleiden im Stande iſt. Niemals muß er einemStaatsbedienten ſo viel Gewalt anvertrauen, daß
er ſich ſelbſt vor ihm zu ſcheuen Urſache haͤtte, oder
daß ſein Miniſter die buͤrgerlichen und Kriegesbe-
dienungen, nach ſeinem Gefallen an ihm ergebeneLeute vergeben koͤnnte. Noch vielweniger aber ſollein Staatsbedienter ſo viel Gewalt haben, daß dieUnterthanen deſſen Gewaltthaͤtigkeiten und Bedruͤ-
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ckungen, verdiente Leute aber deſſen Verfolgungen
ausgeſetzet ſind. Es iſt alſo einer guten Regierungnicht gemaͤß, den Miniſters ſo genannte Lettres
de Cachet anzuvertrauen, vermittelſt derſelben ſie
Schuldige, oder Unſchuldige, nach ihren Abſichtenverbannen, oder in das Gefaͤngniß ſchicken koͤnnen.Eben ſo wenig iſt es der Vorſicht eines weiſen Re-genten gemaͤß, die hoͤchſten Wuͤrden des Staats,beſonders die Statthalterſtellen, von dem Vater aufden Sohn gelangen, und gleichſam vererben zulaſſen. Ein ſolches Haus erlangt allzuviel Anſehen,und die Unterthanen erleben niemals die Abaͤnde-rung ihrer Beſchwerden. Selbſt dem Regentenund dem Staate iſt es nachtheilig. Ein aͤhnlicherStaatsfehler der Carolinger iſt vor ſie ſelbſt, undvor ihre weitlaͤuftigen Reiche von nachtheiligenFolgen geweſen.
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§. 83.