auf den ſittl. Zuſtand der Unterthanen. 125
darein geſetzet werden kann. Iſt aber hierzu keineHoffnung vorhanden; ſo muß die Einigkeit in Glau-bensſachen keine Hinderniß ſeyn, die Commercienund Manufacturen durch Berufung der Auslaͤnderund Geſtattung der Gewiſſensfreyheit in Aufnahmezu bringen. Die Gluͤckſeligkeit des Staats iſt dieerſte und vornehmſte Pflicht des Regenten, die erohne das Weſentliche ſeines Characters zu verlaͤug-nen, nicht außer Augen ſetzen kann. Die Vorſorgevor die Religion aber iſt nur in ſo fern ſeiner Pflichtgemaͤß, als ſie in dieſe Gluͤckſeligkeit einen Einflußhat.(§. 91. 92). Dieſe richtigen Grundſaͤtze hatſelbſt der glorwuͤrdigſte Kaiſer Leopold beobachtet,den niemand in ſeiner Religion einer Kaltſinnigkeit
wird beſchuldigen koͤnnen. Die Kaufleute, die wir
in Wien unter dem Namen der Niederleger finden,ſind von ihm zum Behuf der Commercien unter Er-theilung betraͤchtlicher buͤrgerlichen und Gewiſſens-freyheiten ins Land berufen worden.
§. 94.
Hauptſaͤchlich müß ſich die Vorſorge des Regen⸗Beſonders mußten dahin erſtrecken, daß keine ſolche Glaubensmey⸗ gerlichen Lehr-nungen im Lande einreißen, die gotteslaͤſterlich und“ſchandbar ſind, und zur Verderbung der guten Sit⸗ reißen laſſen.ten gereichen, wie denn keinerley Arten der Zuſam-menkuͤnfte, die entweder heimlich oderoͤffentlich un-ter dem Vorwande der Religion gehalten werden,zu dulden ſind. In ſolchen Faͤllen zeiget ſich diePflicht des Regenten in Abſicht auf die Religion inihrer voͤlligen Staͤrke. Ob es zwar außer denGraͤnzen ſeines Amtes iſt, vor die ewige Gluͤckſelig-keit ſeiner Unterthanen zu ſorgen: ſo hat er doch dieunſtreitige Pflicht auf ſich, wachſam zu ſeyn, daßunter dem Deckmantel der Religion dem Staate keinNachtheil zugefuͤget werde. Solche aͤrgerliche Mey-
nungen