der Gerechtigkeit. 135
nicht im Stande iſt, einen Zuſammenhang von Ge-ſetzen zu machen, die mit ſeinem Zuſtande und buͤr-gerlichen Verfaſſung uͤbereinſtimmen, ſondern wennes ſich mit den Geſetzen eines fremden Volkes be-helfen muß, das in ſeinem Zuſtande und Verfaſſungmit dem unſrigen ſo wenig Uebereinſtimmendes ge-habt hat.
.§. 104.
Nach eben dieſen Grundſaͤtzen muͤſſen die Geſetzeganz kurz und einfach ſeyn; denn je mehr ſie dieſeBeſchaffenheit haben, deſtomehr werden ſie den Un-terthanen begreiflich ſeyn; und von ihnen in Ausuͤ-bung gebracht werden koͤnnen. Wenn die Geſetzeweitlaͤuftig abgefaßt und in uͤberhaͤufter Anzahl vor-handen ſind; ſo finden nicht allein die verſchiedenenAuslegungen und widerſprechenden Meynungen deſtoeher Platz, indem jede Parthey gar leicht eine in demGeſetz angefuͤhrte Urſache, oder ein anderes, in dieſeSache einſchlagendes, Geſetz erhaſchen kann, dasihr guͤnſtig zu ſeyn ſcheint, ſondern die Unterthanenkoͤnnen auch einen ſolchen Wuſt von Geſetzen unmoͤg-lich wiſſen und in dem Gedaͤchtniſſe behalten. Michdeucht aber, daß es der Vernunft allerdings gemaͤßwaͤre, daß man auch in den geringen Schulen dieKinder von den Pflichten und Geſetzen unterrichtete,die ſie einmal in der buͤrgerlichen Geſellſchaft alsKuͤnſtler, Handwerker und Ackerleute zu beobachtenhaben. Die Chineſer verfahren hierinnen weit gruͤnd-licher. Jeder kuͤnftiger Unterthan wird in ſeinerJugend in den Geſetzen unterrichtet, die er einmalin ſeiner Lebensart zu beobachten noͤthig hat.
§. 105.
Wenn nun die Geſetze dieſe Eigenſchaft haben;
ſo entſteht auch daraus die Gewißheit der Rechte,J 4
Die Geſetzemuͤſſen kurzund einfachſeyn.
Daraus entſteht
die Gewißheit
der Rechte, die
die hoͤchſt noͤthig iſt.