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1 (1758) Die Lehre von Erhaltung und Vermehrung des Vermögens des Staats, und mithin die Staatskunst, die Policey- und Commercien-Wissenschaft nebst der Haushaltungskunst / Johann Heinrich Gottlob von Justi
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136
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136 Von der Handhabung

die in einer Republik eben ſo noͤthig iſt. Es iſt ge-wiſſer maaßen faſt beſſer, daß die Geſetze nicht allent-halben der Billigkeit gemaͤß ſind, als daß die Unter-thanen ſich in einer Ungewißheit befinden, was rechtiſt oder nicht. Bey dieſer Gewißheit der Rechtewiſſen ſie doch, woran ſie ſich zu halten haben; undes iſt ihre Schuld, wenn ſie ihre Handlungen nichtdarnach einrichten. Allein die Ungewißheit der Ge-ſetze verfuͤhret ſie zu vielen Handlungen, die hernachzu ihrem Schaden und Ungluͤck gereichen. In einemweislicht eingerichteten Staate ſollte man alſo, wenneinmal ein Zuſammenhang von Geſetzen nach denvorherbeſchriebenen Eigenſchaften vorhanden waͤre,die verſchiedenen Auslegungen und Meynungen derRechtsgelehrten keines weges dulden*). Wir ſinddadurch leider dahin gebracht, daß wir itzo faſt nichtmehr wiſſen, was Rechtens iſt; und der Ausgangdes Proceſſes iſt faſt eben ſo ungewiß, als ob wirin einen Gluͤckstopf griffen.

*) Man muß die Application der Geſetze auf die vor-fallenden Begebenheiten und Rechtsſachen von derAuslegung der Geſetze unterſcheiden. Bloß daserſte gehoͤret vor die Rechtsgelehrten. Das an-dere ſteht allein der oberſten Gewalt zu, welchedie geſetzgebende Macht hat, und iſt mit der Ge-ſetzgebung durchaus einerley. Denn wenn die vor-handenen Geſetze zu Entſcheidung der vorkommen-den Faͤlle nicht zureichen; ſo iſt es vollkommeneinerley, ob die oberſte Gewalt neue Geſetze er-

vtheilet, oder die alten erklaͤret. Es iſt bloß einMisbrauch, der ſich mit Annehmung der roͤmiſchenGeſetze bey uns eingeſchlichen hat, daß wir dieRechtsgelehrten fuͤr Ausleger der Geſetze halten.Uebrigens kann man ſich unmoͤglich eine Gewißheitder Rechte bey uns jemals verſprechen, wenn wirnicht den Wuſt der roͤmiſchen Rechte, die mit un-ſerm heutigen Zuſtande ſo wenig uͤbereinſtimmendeshaben, gaͤnzlich abſchaffen, und ein ganz neues Ge-ſetzbuch verſertigen, als welches ich in den Er-

getzungen