Dabey mußman gute Auf-ſicht auf dieRichter haben.
138 Von der Handhabung
chien ſeyn, daß die Miniſters nicht den geringſtenEinfluß in die Rechtsſpruͤche haben muͤſſen. Hier-durch allein unterſcheidet ſich die unumſchraͤnkteMonarchie von dem Deſpotiſmus. Die Einrich-tung der Juſtiz⸗Collegiornm ſollte mithin in die-ſen unumſchraͤnkten Reichen unter die Grundver-faſſungen des Staats gehoͤren, welche der Mo-narch nicht nach ſeiner Willkuͤhr aufheben undabaͤndern koͤnnte; und dem oberſten Juſtiz⸗Col-legio ſollte allemal das Recht zuſtehen, Vorſtel-lungen an den Monarchen zu thun, wie dasParlament in Frankreich hat. Wenn gar keinCorpus in dem Staate iſt, welches dem Monar-chen uͤber nachtheilige Geſetze und die Bedruͤckun-gen des Volkes Vorſtellung thun kann; ſo ſehe ichnicht, wie die unumſchraͤnkte Monarchie von demdeſpotiſchen Staate unterſchieden ſeyn kann.
§. 107.
Vielleicht wuͤrde aber auch die beſte Wahl der red-lichſten Maͤnner nicht allemal mit dem erwuͤnſchtenErfolge verbunden bleiben, wenn man die Richter le-diglich ſich ſelbſt uͤberlaſſen wollte. Eine weiſe Regie-rung muß alſo eine ſehr genaue Aufſicht auf dieſelbenhaben; und ſich hierzu entweder gewiſſer Juſtiz⸗Ober-aufſeher bedienen, die in ihrem angewieſenen Kreiſebeſtaͤndig herum reiſen, und auf die Richter eine be-ſondere Aufmerkſamkeit haben, oder der Regent undſeine oberſten Miniſters muͤſſen ſelbſt die Beſchwer-den der Unterthanen mit aller Geduld und Geneigt-heit ihnen zu helfen anhoͤren. Vielleicht wuͤrde dasMittel der weiſen Chineſer, die uns in allen Stuͤ-cken beſchaͤmen, von großem Nutzen ſeyn. Der Kai-ſer haͤlt daſelbſt in jedem Collegio einen Aufſeheroder Spion, der ohne Arbeit und Stimme bloß dasVerfahren des Raths beobachtet, und welcher, daer niemals eine weitere Befoͤrderung zu gewartenhat, die groͤßten Staatsbedienten durch ſeine An-klage zitternd macht.
§. 108.