des Staats. 155
ſolche beſondere Muͤnze des Landes bey den Frem-den in ſchlechtem Werthe ſeyn, und folglich machtdergleichen Geld nichts weniger, als einen Reich-thum des Landes aus. Wenn auch der Regent der-gleichen Geld nach Gefallen machen koͤnnte; ſowuͤrde er ſich ohne Muͤhe alle Guͤter der Untertha-nen zueignen koͤnnen, und folglich wuͤrde allerFleiß und Application der Unterthanen, um ſichGuͤter zu erwerben, welches doch zur Wohlfahrtdes gemeinen Weſens ſo noͤthig iſt, gaͤnzlich hin-weg fallen. Es kann alſo dem Regenten nach demWeſen einer Republik auf keine andere Art zuſtehen,etwas anderes an die Stelle des Geldes zu ſetzen,als in ſo fern er willens iſt, ſolches in beſſernZeitumſtaͤnden gegen wahre Gold⸗ und Silbermuͤn-zen wieder einzuwechſeln, welches auch die Abſichtgeweſen iſt, wenn europaͤiſche Regenten in aͤußer-ſten Noͤthen des Staats zu dergleichen Mitteln ihreZuflucht genommen haben.
Sen8.
Es laͤßt ſich aber der Reichthum, der in einem Lan-de befindlich iſt, auf verſchiedene Art betrachten. Manmuß naͤmlich den Reichthum des Regenten, den Reich-thum der Privatperſonen, und den Reichthum desLan-des, wohl von einander unterſcheiden. Ein Monarchkann den wichtigſten Vorrath von Gold, Silber undKoſtbarkeiten in ſeinem Beſitze haben. Allein dieſe,indem ſie in ſeinen Schatzkammern muͤßig liegen,kommen dem Lande im geringſten nicht zu Nutze; unddie Unterthanen koͤnnen ſich dem ohngeachtet in deraͤußerſten Armuth und Elende beſinden. Eben ſo koͤn-nen in einem Lande viele ſehr reiche Privatperſonenſeyn. Allein, weil ſie, aus Mangel des Credits imLande, oder wegen anderer Beſchaffenheiten der Regie-rung, ihr Geld entweder in ihre Kaſten verſchließen,oder in auswaͤrtige Banken und Gewerbe legen: ſohat das Land nicht den geringſten Vortheil davon;und man ſieht wegen Mangel am Gelde allenthalben
Noth
Dreyerley Un-terſchied unterdem Reichthu-me des Landes.