Der Einwurfvon dem Man-gel des Unter-halts wirdgehoben.
162 Von Vermehrung der Einwohner
§. 138.
Vielleicht wird man einwenden, daß endlich voreine ſo gewaltige Menge Menſchen das Getreide unddie Lebensmittel fehlen wuͤrden. Allein dieſer Ein-wurf macht mir gar keinen Kummer. DiejenigenLaͤnder in Europa, ſo fleißig ſind, und ſich auf denAckerbau legen, ſchicken die Haͤlfte ihres erzeugtenGetreides nach Spanien, Portugall und in andreStaaten, wo man aus Faulheit die fruchtbareſtenLaͤnder unbebaut liegen laͤßt. Wir verbrauchen un-noͤthiger Weiſe viel Getreide zu Puder, ſtarken Waſ-ſern, Viehmaſtung und dergleichen Dingen. UnſerAckerbau ſelbſt hat noch gar nicht ſeine Vollkommen-heit erreicht, und wir laſſen viele Plaͤtze und Gegen-den wuͤſte liegen, die wir urbar machen, und zumGetreidebau nutzen koͤnnten*). Wenn wir lernenwollen, wie der Boden eines Landes recht zu nutzeniſt; ſo muͤſſen wir nach Sina gehen, wo eben dieMenge der Menſchen Erſindungen an die Hand ge-geben hat, die hoͤchſten Gipfel der Berge, und dieſteilſten Felſen zu fruchtbaren Feldern zu machen.Man kann dannenhero mit Gruͤndlichkeit behaupten,daß die am meiſten bevoͤlkerten Laͤnder in Europanoch drey und viermal ſo viel Einwohner ernaͤhrenkoͤnnten, wenn ſie alles Getreide im Lande behalten,ſolches nicht unnuͤtze verbrauchen, die Oeconomierecht in Flor bringen, und alle Plaͤtze und Gegendenrecht nutzen wollten: und dieſer Einwurf hat mithinnicht das geringſte Gewichte.
*) Man kann gewiß behaupten, daß Europa 6 malmehr Menſchen ernaͤhren koͤnnte, als gegenwaͤrtigdarinnen leben. Der Ackerbau wird außer Engel-land faſt nirgends in rechter Vollkommenheit ge-trieben, und in allen Laͤndern ſind noch eine MengeGegenden, die urbar gemacht, und zum Ackerbauangewendet werden koͤnnten. In Spanien, Por-
tugall,