und des Bettelns. 329
*) Ein Staat der aus lauter Geizhaͤlſen oder ſparſa-men Leuten beſtuͤnde und worinnen gar keine Ueppig-keit getrieben wuͤrde, muͤßte nothwendig der aͤrmſte,ſchwaͤchſte und elendeſte Staat unter der Sonnenſeyn. Er wuͤrde nicht den vierten Theil ſeiner Ein-wohner, den er itzo hat, beſchaͤfftigen und ernaͤhrenkoͤnnen. Man bedenke nur, wie wenig Handthie-
rungen und Gewerbe uͤbrig bleiben wuͤrden, wenn
wir uns genau auf die bloße Nothdurft der Natureinſchraͤnken wollten. Ueppigkeit die mit Landes-waaren getrieben wird, und mit Fleiß verknuͤpfetiſt, iſt die natuͤrliche Waͤrme und das Feuer in demStaatskoͤrper, welches ihm Thaͤtigkeit und Leb-haftigkeit giebt. Es werden nur ſehr wenig Faͤlleſeyn, in welchen die Ueppigkeit nach Maaßgebungder Wohlfahrt des Sraats einzuſchraͤnken iſt.Dieſe Faͤlle habe ich in den Grundſaͤtzen der Poli-cey vorgeſtellet.
§. 321.
Es waͤre zwar freylich gut, wenn man nur wenig-ſtens in der Kleidung dem allzu großen Aufwandeſteuren, und eine gute Ordnung nach Maaßgebungder Staͤnde einfuͤhren koͤnnte. Allein, auch dieſesiſt in der That unmoͤglich, weil diejenigen, die einer-ley Standes ſind, nicht einerley Vermoͤgen haben.Das einzige Mittel waͤre, die Unterthanen in gewiſſeClaſſen*) einzutheilen, und jeder Claſſe eine gewiſſebeſtaͤndige Tracht und Kleidung vorzuſchreiben, wo-durch ſie vor der andern hinlaͤnglich kenntbar wuͤrde.Allein, das verhindert unſre Modenſucht. Es bleibtalſo nichts uͤbrig, als daß der Hof ſelbſt durch ſeinBeyſpiel die Sache zu dirigiren ſuchet, als welcheshierinnen uͤber alle maßen wirkſam iſt. Denn wennder Hof keine uͤbermaͤßige Pracht blicken laͤßt: ſowerden ſich auch die Privatperſonen nicht ſo ſehrdarein verlieben.
FX 5*) Es
Es laͤßt ſichauch der Klei-derpracht nichtfuͤglich aban-
dern.