39¼ Von der Treue der Unterthanen
rer von neuem verpflichtet haben, und weil ſonſt dasUngluͤck und Blutvergießen in der Welt niemalsaufhoͤren wuͤrde. Eben ſo werden ſie der Pflicht derTreue entbunden, wenn ſie der Regent ohne vorher-gehende Eroberung in Friedens und andern Tracta-ten an einen andern Staat abtritt. Allein der Re-gent muß in dieſem Falle die oberſte Gewalt, undbeſonders das Recht des Krieges und Friedens unein-geſchraͤnkt beſitzen. Außerdem muß die Abtretungvon denenjenigen zugleieh mit geſchehen, die dieſesRecht benebſt dem Regenten auszuuͤben haben. Esſcheint auch allerdings noͤthig zu ſeyn, daß die ab-zutretenden Unterthanen wenigſtens ſtillſchweigendihre Einwilligung darzu geben muͤſſen*), weilſie kein Eigenthum der oberſten Gewalt ſind.(§. 324. 370)..
*) Das, was ich hier behaupte, beruhet auf ungezwei-felten Grundſaͤtzen. Die oberſte Gewalt in der Re-publik hat alle Rechte uͤber die Unterthanen, die zudem Weſen und der Verfaſſung des gemeinen Weſensund deſſen Erhaltung noͤthig ſind. Allein ſie hatkeine Rechte, welche das Weſen der Republik ganzoder zum Theil vernichten koͤnnen. Hierzu muß dieEimwilligung der Unterthanen eben ſowohl, als beyder Errichtung einer Republik erfordert werden;wenn man anders die Unterthanen nicht als Leibeige-ne anſehen will. Eben ſo wenig kann man die andernUnterthanen, welche bey dem vorigen Staate verblei-ben, als diejenigen anſehen, welche das Recht haben,einen Theil ihrer Nebenunterthanen an einen frem-den Staat abzutreten. Sie koͤnnen ſich zwar vonder Verbindlichkeit und den Vertraͤgen los ſagen, die
ſie zeither mit ihnen gehabt haben; weil ſie die Noth
und die Erhaltung ihrer ſelbſt darzu zwingt: allein,ſie koͤnnen einem fremden Staate kein Recht uͤber ſiegeben. Dieſes muß bloß entweder von der Erobe-rung, oder vonder abzutretenden Unterthanen freyenEinwilligung herruͤhren,