Buch 
1 (1758) Die Lehre von Erhaltung und Vermehrung des Vermögens des Staats, und mithin die Staatskunst, die Policey- und Commercien-Wissenschaft nebst der Haushaltungskunst / Johann Heinrich Gottlob von Justi
Entstehung
Seite
395
JPEG-Download
 

gegen den Regenten und den Staat. 395§. 328.Es entſteht hierbey die Frage, wie ſich die Un⸗ Wle ſich die

terthanen zu betragen haben, wenn ihr geweſe-

ner Regent, und derjenige, dem ſie abgetreten derweitigen

worden ſind, nach einiger Zeit von neuem mit“

einander in Krieg gerathen, dergeſtalt, daß der neuen und alten

erſte auf gegruͤndete oder ungegruͤndete Art be⸗ bFetsg-gen haben.

hauptet, er ſey in alle ſeine vorigen Rechte uͤber

die abgetretenen Unterthanen wieder eingetreten.

Da die Unterthanen keine Befugniß haben, uͤber

die Rechte ihres alten und neuen Herrn ein Ur-

theil zu faͤllen: ſo haben ſie, meines Erachtens,

allein ihrem neuen Regenten die Pflicht der

Treue zu erweiſen, indem ſie ſich in deſſen Ge-

walt befinden, und, nachdem ſie auf rechtmaͤßige

Art in dieſelbe gediehen ſind, demſelben ihre Treue

angelobet haben. Sie muͤſſen auch in dieſer

Treue gegen ihren neuen Herrn ſo lange unver-

bruͤchlich beharren, bis ſie durch das Recht der Er-

oberung, oder durch andere Tractaten, davon los-

gezaͤhlet ſind.§. 379.

Ich habe oben ſchon erinnert, daß die Untertha⸗ Ob die Treuenen nicht ſchuldig ſind, ihre ſchuldige Treue einem bRegenten zu erweiſen, der ſich als ein Feind ſeines geſetzet und desVolkes auffuͤhret. Nachdem aber ein ſolcher Fall“ſich vielleicht nie ereignet hat; ſo ſind hingegen die wird,Faͤllle nicht ſo gar ſelten, daß in Wahlreichen undauch zuweilen in Erbreichen, die eine eingeſchraͤnkteRegierungsform haben, der Regent des Thronesverluſtig erklaͤret, oder wohl gar foͤrmlich abgeſetzetwird; und es fragt ſich mithin, ob die uͤbrigen Un-terthanen ihrer Pflicht der Treue entlediget werden-wenn