Buch 
1 (1758) Die Lehre von Erhaltung und Vermehrung des Vermögens des Staats, und mithin die Staatskunst, die Policey- und Commercien-Wissenschaft nebst der Haushaltungskunst / Johann Heinrich Gottlob von Justi
Entstehung
Seite
507
JPEG-Download
 

in den Staͤdten. 507

ein anderer vor ihn brauet, 12, 20, 30 und mehrReichsthaler. Ja ich weiß Staͤdte in Oberſachſen,wo ein einzig Reihebrauen mit 100 Rthlr. bezahletwird. Das iſt gewiß eine anſehnliche Revenuͤe voreinen Buͤrger; und allenthalben koͤnnen ſie bloß durchdas Brauen alle landesherrliche Abgaben entrichten.Wer ſich aber ſelbſt dem Brauen unterzieht, der hateinen noch groͤßern Vortheil. Dahingegen iſt in ver-ſchiedenen Laͤndern von Niederſachſen, z. E. Meck-lenburg, Hollſtein und in ganz Daͤnemark, Coppen-hagen ausgenommen, das Brauweſen keineswegesſo wohl eingerichtet. Es iſt daſelbſt in allen Staͤd-ten das Brauen etlichen wenigen Buͤrgern uͤberlaſſen,die es als ihr eigentliches Nahrungsgeſchaͤffte ohnealle Policeyaufſicht treiben. Daher ich auch daſelbſtfaſt allenthalben ein ſehr ſchlechtes Bier und zwar ineben ſo hohem und noch hoͤhern Preiße angetroffenhabe, ohngeachtet in Oberſachſen die Buͤrger ſo an-ſehnliche Einkuͤnfte davon ziehen und daſelbſt die lan-desherrlichen Abgaben auf das Brauen gewiß zwey-mal ſtaͤrker ſind, als in Hollſtein und Daͤnemark.Es faͤllt von ſelbſt in die Augen, welche von dieſenbeyden Einrichtungen der andern weit vorzuziehen iſt.Wahrſcheinlich ſollte man ſchließen, daß je tiefer manin Norden kaͤme, deſto mehr Sorgfalt muͤßte manvor ein gutes Bier antreffen, weil daſelbſt gar keinWeinwachs iſt und es dem Staate gar nicht vortheil-haftig iſt, wenn ſo viel Geld vor Wein außer Landesgehet. Allein in Norden irret man ſich bey vielenſonſt ganz richtigen Vorausſetzungen.

§. 492.

Unterdeſſen da doch wenigſtens die Staͤdte zu ih⸗ Eineictungrem eigenen Gebrauche und Nothdurft Bier brauen 2 Sr nmuͤſſen; ſo iſt es allerdings als ein gutes Nahrungs-geſchaͤffte anzuſehen, das alle Aufmerkſamkeit derPolicey verdienet; und viele Staͤdte, welche ein garſchlechtes Bier brauen, ſollten ſich nur von dem Vor-urtheile heilen, daß es an Luft und Waſſer liegt*),da es doch lediglich ihrer Nachlaͤßigkeit beyzumeſſen

iſt.