514 Von der Wirthſchaft
§. 495.von dem Der Gartenbau kann gleichfalls den Staͤdten zuI“ einer guten Nahrung dienen; wie denn Erfurth in
Luſtgaͤrten.
Thuͤringen mit ſeinen Kuͤchengewaͤchſen ein betraͤcht-liches Gewerbe treibt. Es giebt aber eigentlich
B.
dreyerley Arten des Gartenbaues, naͤmlich 1) Zier-und Luſtgaͤrten, 2) Obſtgaͤrten und 3) Kuͤchengaͤrten.Die Zier⸗ und Luſtgaͤrten kann man zwar eigentlichnicht als eine Nahrungsart anſehen, vielmehr erfor-dern ſie nach der heutigen Einrichtung derſelben ſehr
wichtige Koſten. Allein es fragt ſich, ob man nicht
alle das unſchuldige Vergnuͤgen, welches ein Zier-
garten verurſachet, genießen, und dennoch nicht alleindie aufzuwendenden Koſten, ſondern auch einigenVortheil daraus ziehen koͤnnte. Meines Erachtenswuͤrde dieſes gar wohl moͤglich ſeyn; indem ſich mitdergleichen Ziergaͤrten der Seidenbau vortrefflichverbinden ließe. Alle gruͤnen Waͤnde koͤnnten ausMaulbeerbaͤumen beſtehen, die ſo ſchoͤn darzu gezo-gen werden koͤnnen, als irgend ein anderer Baum.Man wuͤrde noch gegen andere Baumarten denVortheil haben, daß ſich nie eine Raupe daranſetzet, folglich werden die Waͤnde niemals kahl ge-freſſen, und man hat nicht zu befuͤrchten, daß manbey dem Luſtwandeln dergleichen Ungeziefer an ſichbekommen werde. Das Abpfluͤcken der Maulbeer-blaͤtter kann auch mit ſolcher Beſcheidenheit geſche-hen, daß die gruͤnen Waͤnde niemals ganz kahl aus-ſehen. Da nun das Gewaͤchshaus ohnedem leeriſt, wenn die Seidenwuͤrmer gewartet werden muͤſ-ſen, ſo kann auch dieſes gar bequem darzu ange-wendet werden. Andere zu einem Ziergarten erfor-derliche Dinge muͤſſen wenigſtens ſolchergeſtalt ein-gerichtet werden koͤnnen, daß man keine Koſten dar-auf zu wenden noͤthig hat: wie ich denn wirklich voneinem vornehmen Freund und Goͤnner weiß, daß eres