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Eifer gepflegt, wozu hauptsächlich die völlig abgeschlossene Lebensweiseder Frauen beigetragen haben mag. Dass 'namentlich die Südslaven sehrfrühzeitig mit den Seidengespinsten bekannt wurden, beweist die Bezeich-nung svila —Seide, von svivat’ = winden abgeleitet, ein alter, im Mittelalterweitverbreiteter, noch jetzt im serbischen üblicher und durchaus unver-fälschter Ausdruck.
Im ganzen germanisch-slavischen Norden Europas ^kamen die Seideu-gewebe zuerst uuter dem allgemeinen Namen „gotaweppi“ (althochdeutsch)in Aufnahme, und da sie in erster Linie wohl zu kirchlichen Zwecken Ver-wendung gefunden haben, so kam man zu der wohl annehmbaren Vermu-tung 1 ), dass es von „Gottesgewebe“ abznleiten sei. Von den Deutschen scheintdas Idiom dann zu allen ihren Nachbarn, namentlich den westlichen Slaven ,übergegangen zu sein, denn die Seidengewebe heissen im altfriesischengodwob, im altslavischen godovabll, im tschechischen hedbav, im slo-vakischen bodbab, im polnischen jedwab’ u. s. w.
In den Niederlanden soll die Seide bereits vor dem VII. Jahrh. be-kannt gewesen sein, wohin sie durch die einen ausgedehnten Handel be-treibenden Friesen gelangte 2 ) und durch deren Vermittelung wurde sie auchnach England und nach den das baltische Meer umgebenden Ländern ein-geführt. Mit Sicherheit ist nachgewiesen, dass die Seide im nördlichenFrankreich und in England schon im VIII. Jahrh. bekannt war; ebenso er-scheint dies für Norddeutschland und Skandinavien wahrscheinlich. DieEddalieder, welche zwar im XIII. Jahrh. verfasst wurden, ihrem Themanach aber in das weit frühere Mittelalter zurückgreifen, erwähnen die Seidean zwei Stellen. In allen Fällen verschaffte sich die Seide gleichzeitig mitdem Christentum weiteren Eingang, und im Laufe des X. Jahrh. bedien-ten sich fast alle Völker Mitteleuropas schon der Seidengewebe zu kirchlichemGebrauch, bei Festlichkeiten und feierlichen Akten. Die Überreste des Skan-dinavierkönigs Olaf II. (gegen 1030 gest.) wurden in purpurseidene Ge-wänder eingehüllt 3 ). In den Königsgräbern bei .Tellinge in Jütland (um dasJahr 950) fanden sich n. a. kostbare, meist in köperartiger Bindung herge-stellte Seidenstoffe mit Gold- und Silberfäden vor 4 ).
Die ersten Nachrichten über die Bekanntschaft der Deutschen mit derSeide reichen bis in das V. Jahrh. zurück. Die regen Handelsverbindungender Deutschen an der Ostsee mit dem Morgenlande, hauptsächlich mit By-zanz, auf Land- und Wasserwegen, brachten naturgemäss einen so bedeuten-den und kostbaren Artikel, wie die Seidengewänder, in allgemeineren Verkehr;dass vielfache Wünsche rege wurden, dieselben direkt aus dem fernen Orientbeziehen zu können, beweist die Sage, dass Ingo, König von Mannheim ,
‘) Schade, Wörterbuch I, 2, 343.
2 ) I’ariaet, Hiatoire de la aoie, II.
8 ) Ifonung Oliif Helges Haraldsous Saga, cap. 218. Historia regia Olavi (Scripta' 8 t- Isjandornm Vol. V. Hafniae 1833).
4 ) Areh. f. Anthropologie. XIV. S. 393.
Silbermann, Die Seide.
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