Atlas. Nacco. Palmet.
73
nicht ein bestimmtes Textil, sondern ohne Unterschied mantelartige Klei-dungsstücke bezeichnete.
Cadas, Carda oder Carduus war ein wahrscheinlich aus Seideuab-fällen hergestellter Stoff geringerer Qualität, der für Priestergewänder Ver-wendung fand *).
Die Bezeichnung des byzantinischen Gammadions bezog sich auf seinaus vier Buchstaben (Grossgamma) kreuzförmig gebildetes Musterungsmotiv.
Das ursprünglich zweife' 1 ^ 0 aus China importierte Atlasgewebe, Zetaui(satin), wurde in arabischen und griechischen Seidenwebereien in quantitati-ver Hinsicht zum wichtigsten Erzeugnis und erfreute sich wegen seines präch-tigen Glanzes uud der Vollkommenheit, mit welcher es erzeugt wurde, einesvielverbreiteten Rufes. Seine Natur geht aus der italienischen Bezeichnung„zetani raso“ hervor, was ein ,.glattes“ Gewebe andeutet und dem arabischen„atlas“ gleichbedeutend ist. Die Bezeichnung „satin “ stammt von demNamen der Exportstadt Tseutnng (jetzt T’swan-tscheu-fu), woraus die AraberZeitün bildeten, das als „Aceituni“ und „Setuni“ nach Spanien und „Za-touin“ oder „Satin“ nach Frankreich kam.
Im Spanischen hiess der Atlas auch raso, im Englischen rash, imDeutschen Rasch, im Französischen ras. Ursprünglich war er in denweitverzweigten Absatzländern nur als dibädsch bekannt, die arabisierteForm des persischen dibäh (dip = glänzen). Im christlichen Europa istdieser Name nur von den Veuetianern für ihre reichen Goldstoffe ange-nommen worden 2 ).
Nacco (nacchetto) war ein Goldbrokat chinesischer Herkunft (nachiz),auch von Arabern fabriziert. Mit dem Nacco anscheinend identisch ware in als Acca bekannter Goldstoff des XIV. Jahrh. 3 )
Schon der Name des Gewebes Tartaricus pannus weist auf seinecentralasiatische Herkunft hin. Es war ein goldgestreifter, kostbarerSeidenstoff, der in Italien und England für kirchliche Zwecke verwen-det wurde 4 ).
Von rein griechischer Abstammung war „diaspre “, vorzugsweise vonWeisser Farbe. Eine Abart derselben, die sogenannten „draps “, fabrizierteLueca im XIV. Jahrh. in grossem Mafsstabe.
Ein speciell in Deutschland gangbares Gewebe war Palmet (palmätS1 de), der an unzähligen Stellen deutscher Minnegedichte vorkommt ; so er-ahnt Wolfram von Eschenbach des Palmets, indem er das Bettzeugv °n Gänän schildert: