Band 
Erster Band.
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Altorientalische Teppiche.

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Verhältnis von 1: 2 ausgeschlagen hatte. Auf Grund dieser Thatsachen istes auch bald gelungen, diese Goldfadenart synthetisch zu erzeugen und siemit Erfolg in die Praxis einzuführen. Auch hat man neuerdings begonnen,Seidenfäden auf galvanoplastischem Wege zu vergolden resp. überhaupt zumetallisieren, worauf wir später noch zurückkommen werden.

Um mit den Erzeugnissen mittelalterlicher und späterer Webekunstabzuschliessen, wäre noch der charaktervollen Teppiche, meist orientalischerHerkunft, zu gedenken, obwohl diese Knüpfarbeiten eigentlich nicht in dasBereich der Webekunst gehören. Die uns erhalten gebliebenen Seiden-teppiche reichen nicht Uber das Ende des XV. Jahrli. hinaus, da der vonKarabacek als eine südpersische Arbeit des XIV. Jalirh. erklärte Teppich l )sich als viel späteren Ursprunges erwiesen hat. Nicht nur Persien ,sondern auch die Länder der osmanischen Türkei haben sicher im XVI.Jahrli., wahrscheinlich schon früher, sich an der orientalischen Knüpfteppich-produktion in ausgiebiger Weise beteiligt.

Die Musterung türkischer Luxusteppiche, die von Gold- und Silberfädendurchwirkt sind, beruht auf dem als persisch erkannten Rankenwerk, dessenKennzeichen eine palmettenartige Blüte und gezacktes Lanzettblatt sind. Indiesen Arbeiten tritt es aber in einer, den europäischen Einfluss verratendenAnordnung und in einer eigenartigen Umbildung auf, die den Gedanken anrein persische Herkunft ausschliesst. Man hat diese trefflichen Seidenteppichemit den wenig verbürgten Nachrichten über das Knüpfgewerbe, das imXVII. Jahrli. in Polen geblüht haben soll, in Zusammenhang gebracht undsie darauf hin die Polenteppiche genannt; wahrscheinlicher ist es dagegen,dass sie als Nachahmung der damals am Hofe zu Ispahan vielfach ver-wendeten Originalteppiche für den Hof von Stambul angefertigt wordensind. Die originell persischen Seidenteppiche lassen sich ebensowenig überdas XVI. Jahrli. zurückverfolgen. Die Grundlage ihrer Ornamentik istgleichfalls vegetabilen Charakters, wenn auch vermengt mit animalischen Mo-tiven. Das schön geschwungene Rankenwerk, das die ganze iranische Kunstdes neuen Zeitalters zu beherrschen scheint, besteht aus gezacktem BlattUn d palmettenartiger Blüte, die der stilisierten Seitenansicht einer Distel-blüte nicht unähnlich ist. Das Motiv herrscht entweder allein in einheit-lich entworfener Zeichnung, von einem spitzovalen Feld ausgehend, oder esverbindet sich mit menschlichen und weit häufiger tierischen Figuren, wieDrachen, Khilins und Paradiesvögeln, deren phantastische Gestalten der chi-nesischen Kunst entlehnt worden sind, welch letztere Persien vom XIII. bis■XVIII. Jahrli. stark beeinflusst hat; das Übrige sind einzelne Jagdmotive,Löwen, Panther, Hasen, Adler u. s. w. 2 ). Von Riegl ist, wie bereitsfrüher erwähnt, die Ansicht ausgesprochen worden, dass die neupersische

') Die persische Nadelmalerei. Süsandschird.

*) Riegb, Altorientalische Teppiche. Wien 1891.