Band 
Erster Band.
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Seidengewerbe in Lucca, Florenz, Venedig .

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wurden, diesen Vorteil zur Begründung ihrer eigenen Manufaktur ausge-nutzt haben. Bini liefert zwar urkundliche Beweise 1 ), wonach die seiden-gewerbliche Thätigkeit Luccas bereits im VIII. Jalirh. bestanden habensoll, doch war sie auf einen Mafsstab beschränkt, der kaum den Nameneiner Industrie verdient. Dagegen steht unbedingt fest, dass die mit-telalterliche Seidenmianufaktur schon früher auf dem italienischen Bodenfesten Fuss gefasst lAitte, denn schon im VIII. Jahrh., zur Zeit des Bilder-sturmes in Byzanz, kamen brotlos gewordene griechische Seidenweber nachRom und gründeten hier hauptsächlich der Herstellung von kirchlichen Paramen-ten gewidmete Kunstwebereien. Bereits im XII. Jahrh. ist eine beträchtlicheEntwickelung lucchesischer Seidenmanufakfuren zu verzeichnen, die im XIII.Jahrh. ihre höchste Blütezeit erreichte. Die Erzeugnisse Luccas, das mitEngland und Frankreich einen ausgedehnten Handel führte 2 ), besassenAVeltruf und erfreuten sich auf den Messen zu Champagne, London undandererorts einer sehr regen Nachfrage. Aller Wahrscheinlichkeit nachstammten die deutschen Seidengewebe meistenteils aus Lucca , was in seinemengen politischen Verbände mit Deutschland seine Erklärung findet. Durchpolitische Unruhen beeinflusst, verliert jedoch die Seidenweberei Luccas imLaufe des XIII. Jahrh. an Bedeutung, und anfangs des XIV. siedeln lucche-sisclie Handwerker nach Florenz, Venedig, Bologna, Mailand und Lyon über, wo sie die Webekunst entweder ein führen oder ihr fruchtbare An-regung geben.

Nach Florenz wurde die Seidenverarbeitung um d. J. 1204 eingeführt underreichte im XIV. Jahrh. gleichzeitig mit der politischen Bedeutung der Stadtihre Blütezeit, während welcher sie alle übrigen italienischen Städte übertraf.Ln XV. Jahrh. wurde der toscanischen Manufaktur die Unterstützung derkunstsinnigen Medici zu teil. Man besitzt einen interessanten Aufsatz derflorentinischen Seidenweber des XIV. und XV. Jahrh.®), der meist in Forme mes Dialogs gehalten, uns genaue Angaben sowohl über Mulinieren undfärben der Strangseide, wie über die Technik und Webekunst der Seiden-stoffe (Damaste, baldacs, Brokate u. a.) liefert.

In Venedig vermochte die ursprüngliche Seidenindustrie nicht mit demkommerziell mächtigeren Genua zu konkurrieren; als aber 1204 Dandolo ,üer noch in seinem 95. Lebensjahre Konstantinopel eroberte, geübte grie-chische Seidenhandwerker und -Züchter heimbrachte und den wegen seiner Er-zeugung von Rohmaterial wichtigen Peloponnes der venetianischen Seidenwebe-rei erschlossen hatte, ist derselben dadurch ein mächtiger Vorschub geleistetWorden, dem nachträglich (1314) die Einwanderung der vor dem Usur-

’) I Lucchesi a Venezia.

s ) Heyd, Die Geschichte des Levantehandels im Mittelalter. Stuttgart 1879. II,698.

3 ) L’arte della seta in Firenze. Trattato nei secoli XV. ed. G. Gargiolli, Flc-ten * 1868.

Silbermann, Die Seide. 6