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pator und Ghibellinen Castruccio fliehenden Luccheser zu stets wachsendemAufschwung verholten hat. Die Ansiedelung flüchtiger lucchesischer Seiden-handwerker in Venedig gab der Industrie des letzteren eine ganz andereinnere Einrichtung und Verwaltung; statt der früher obwaltenden haus-industriellen Arbeitsteilung wurde ihr eine nach dem Vorbilde Luccas ge-schaffene Zunftorganisation zu teil, die sowohl der Produktion wie demHandel zu gute kam. Die Manufakturen kamen unter Staatskontrolle,jedes Seidenzeug wurde auf seine Güte geprüft und mit amtlichem Siegelversehen 1 ). Im Zunftstatut von 1278 findet sich ein genaues Reglementüber die Breite der Stoffe und die einzuhaltende Zahl der Gänge, welcheEinschränkungen jedoch infolge der stets wachsenden Konkurrenz 1410 teil-weise aufgehoben wurden, dann wieder in Kraft traten und erst 1507 end-giltig annulliert wurden. Selbst die Ausübung der Kunstweberei wurde mitgrosser Strenge gehandhabt und überwacht; diese Mafsregeln lassen ins-gesamt darauf schliessen, dass Venedig ernstlich bestrebt war, sich imWettkampf mit den Schwesterstädten die Palme zu erobern. Eigene vene-tianische Seidenzeuge kamen indessen während des XIII. Jahrh. auf denausländischen Märkten noch wenig vor, obwohl die venetianischen Kauf-leute mit orientalischen und sonstigen Seidenwaren im nördlichen Europa regen Handel betrieben. Das XIV. Jahrh. brachte, ausser dem bereits er-wähnten Impulse durch Einwanderung lucchesischer Flüchtlinge, noch dasgünstige Ereignis, dass das letzte Bollwerk der Kreuzfahrerstaaten Akka amEnde des XIII. Jahrh. in die Hände der Türken fiel, wodurch die Stapelplätzedes Rohmaterials nunmehr eine Verschiebung von Antiochien und Tyrus nach Tana (Asowsches Meer) und Trapezund (Schwarzes Meer ) erfuhren,und mit diesen Gegenden stand Venedig in regem Handelsverkehr. Lei-der nahm die schutzzöllnerische Prohibitivpolitik Venedigs seit dem XV.Jahrh. immer mehr überhand; es wurde u. a. verboten, ausländische Gewebezu importieren und zu tragen, der Zwischenhandel wurde untersagt, fernerwurde verordnet, dass alle Rohseide von den Ortschaften der „Terra finna“,d. i. des Festlandes, zuerst nach Venedig gebracht werden sollte und nurdas, was hier nicht verkauft wurde, stand für die Ausfuhr frei 2 ). Dieseeinseitige Prohibitivpolitik hat sich an Venedig selbst in bitterer Weise ge-rächt, weil die Unterdrückung jeglicher freien Konkurrenz eine Abnahmedes gegenseitigen Austausches und des Zwischenhandels nach sich ziehenmusste. Ein Merkantilsystem für ein so kleines auf den Export angewie-senes Gebiet, wie die venetianische Republik, war überhaupt schwer an-wendbar; ausserdem war es, wenn auch in der löblichen Absicht, die heimischeIndustrie zu heben, zu überstürzt, als dass es die Früchte einer gesunden,ungezwungenen Entwickelung hätte zeitigen können. Daraus, dass einige
*) Marin, Storia del commercio de Veneziani.
*) Broglio d’Ajano, Die venetianische Seidenindustrie und ihre Organisation biszum Ausgang des Mittelalters. Stuttgart 1893, S. 36.