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zog alle besseren individuellen Kräfte nach der französischen Metropole.In ornamentaler Hinsicht versucht sich die französische Webekunst unterLouis XIV. in den buschigen, lärmenden Mustern der italienischen Barock-weise in konventioneller Zusammensetzung, sie gewinnt indes alsbald ihreSelbständigkeit des specifisch französischen Charakters des X VIII. Jahrli. wieder,und zwar in den bunten, hellen, naturalistischen Blumen, die sie entwederin Sträufschen über die Fläche zerstreut oder in geschlängelten Ituirlandenaneinanderreiht. In technischer Beziehung gilt diese Stufe als der Höhe-punkt der Seidenkunstweberei vor der Heranziehung der Maschine. DasHauptgebiet behauptet die Damastweberei mit bunter Broschierung, wogegenSammet mit seinen kräftigen, tiefen Farbentönen in weit geringerem Mafsezur Anwendung gelaugt. Der Gräcismus der nachfolgenden klassischenPeriode konnte der Kunstweberei wenig bieten, und dadurch fiel die Er-findung des Jacquardstuhles zeitlich mit einer an und für sich unfrucht-baren Periode der Textilornamentik zusammen. Die Kleinmusterung desdritten und vierten Decenniums unseres Jahrhunderts unterscheidet sich vonderjenigen der unmittelbar nachfolgenden Jahrzehnte durch ihre natürliche,gefällige Färbung. Die Jacquardmaschine hat aber auf die künstlerischeSeite der Seidenweberei bis heute noch keinen prägnanten Einfluss aus-zuüben vermocht.
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In gleichem Schritt mit dem Verfall seiner Kunst Weberei gewinnt Ita-lien in der Produktion der Rohseide den Vorrang. Seit dem XVI. Jahrli.ist die Seidenzucht allmählich zu einem nationalen Gewerbe herangewachsen,das berufen ist, eine immer grössere Ausdehnung und in den wirtschaftlichenVerhältnissen Italiens eine bedeutende Rolle zu gewinnen. Im XV. Jahrli.werden schon vielfache Rassen der grünen, gelben und weissen Kokons ge-zogen *). Später wandte man sich vorzugsweise der gelben Rasse zu, welcheauch im Laufe des XVII. und des XVIII. Jahrh. (ausser einigen Gegendenin Piemont und Ligurien ) ausschliesslich kultiviert worden ist 2 3 ).
Die Widerrufung des Ediktes von Nantes (1685) gab der bis dahinin stetigem Wachstum begriffenen Seidenindustie Frankreichs einen heftigenStoss. Über 80000 geübte Handwerker siedeln nach England und Deutsch-land über, wo sie namentlich in Berlin, Stuttgart, Crefeld, Dresden, Hanau nnd anderwärts dem daselbst bestehenden Seidengewerbe fruchtbare Anregungmitbringen. Es mag an dieser Stelle hervorgehoben werden, dass die land-läufige Meinung: Deutschland, Holland , England und die nordischenReiche hätten ihre Seidenindustrie erst durch die französischen Refugieserhalten, nach meinen früheren Ausführungen keineswegs haltbar und nur
2 ) Lazzarelli, Bombyx . A. 1500.
3 ) Cornalia, Mon. del Bombyce del gelso.