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Erster Band.
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Seidenkultur in deutschen Landen.

insofern richtig ist, als die Auswanderer der einheimischen Industrie quan-titative Stärkung und Anregung in Bezug auf neue Artikel, guten Geschmackund verbesserte Technik verliehen haben.

Um dieselbe Zeit (XVI. Jahrh.) sehen wir die Anfänge deutscher Seiden-kultur auftauchen. Grosse Sorgfalt verwendete Wal len st ein auf dieselbe, undman darf annehmen, dass nach seinem Beispiel viele andere Edelleute sieauf ihren Gütern eingeführt haben. Er schrieb an seinen Inspektor inGitschin: „müsset schauen, wie alle Artes auf Gitschin introducirt werdenvon Seiden- und Wollarbeiten; ehe die Maulbeerbäume gross geworden,so kann man Seda cruda aus Welschland kommen lassen“ *). 1595 befasst

sich Prinzessin Elisabeth, Tochter Joachims II. von Brandenburg mitder Seidenzucht, wohl mehr aus Liebhaberei, als in ernsterem Sinne. 1598baut Liebauf in Rothenburg an der Tauber mit gutem Erfolg Seide.1601 errichtet Friedrich I., Herzog von Württemberg, in Stuttgart grössereKulturanlagen. Nach dem dreissigjährigeu Kriege fängt der Seidenbauvon neuem an festeren Boden zu fasseu. Baesius lehrt uns in seinerSchwester Martha, die er eine „altera Pallas“ nennt, eine eifrige Beför-dern des Seidenbaues kennen und berichtet über ihre Versuche, die Seiden-raupen mit Salatblättern zu füttern 2 ). Maria Sibylla Graefia schreibtein Werk über die wunderbaren Verwandlungen der Seidenraupe 3 ). Jo-hannes Colerus und Salmasius empfehlen die Seidenkultur aufs ange-legentlichste. In Bayern wurden unter Kurfürst Max I. (1598 —1651)ausgedehnte Maulbeerplantagen angelegt. Schon aus den Zeiten Wil-helms VI. (1508—1559) und Albrechts V. (1550—1579) existierenGartenrechnungen, in denen Maulbeerbäume erwähnt sind. Max I. beab-sichtigte auch die Seidenzucht einzuführen und erkundigte sich im Landeüberall nach Maulbeerplantagen; die verheerenden Kriege der damaligenZeit verhinderten jedoch die weiteren Versuche. Unter dem KurfürstenFerdinand Maria (1651—1679) war man wieder bestrebt, die Seidenzuchtzu heben und durch materielle Unterstützung zu fördern. Im Jahre 1664entstand unter Joachim Becher ein ausgedehnter Seidenbauverein, derjedoch aus Nebengründen bald auseinander ging. Kurfürst Max Emanuel (1679—1726) errichtete in München eine Seidenfabrik und Max II. liess1740 daselbst ein am Hofgarten gelegenes Schloss für eine Seidenmanu-faktur einrichten. Aber erst unter Max III. (1745—1777) begann eineallgemeinere Verbreitung des Seidengewerbes. 1759 wurden auf fürstlichenBefehl unter vielen Geldopfern in München, Straubing, Landshut, Burg-hausen Plantagen angelegt und aus dem Auslande Seidenzüchter und-haspler berufen. 1760 wurde eine sogenannte Seidenkommission ernanntund andere Anstalten getroffen, um den Seidenbau zu fördern; das ganze

') Valentini, Hist, simpl. ref. III. 42. 1.s ) Baesii über de re vestitiaria, V.

s ) Sibylla Graefia, nota Mariana, L. de Educarum mirabile transmutatione.