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Japan heimisch ist, verursacht dieselbe keine Verheerungen, zu folge der stetigenErneuerung der Grains, der Art des Ausbrütens, dem grossen Zwischenraumzwischen den einzelnen Zuchten u. s. w. Die guten Gewohnheiten bei derSeidenzucht sind Gemeingut aller Beteiligten geworden, und die Vorschrifteneines Werkchens „Geheime Geschichte der Aufzucht der Seidenwürmer“ wer-den überall befolgt. Das japanische Ackerbau-Ministerium veranlasst alljähr-lich eingehende Erhebungen über die Ergebnisse der Kokonernte; in Tokio ist1874 eine Studienanstalt für Raupenzucht „Jo-san-kakari“ gegründet wor-den. Überhaupt legt die Regierung für dieses Gewerbe das grösste In-teresse an den Tag, und hat durch energisches Eingreifen in den sechzigerJahren einer allzugrossen Verbreitung der Grainierungen und der weiterenSchwächung der Rassen erfolgreich vorgebeugt.
Die Seidenzucht ist in Japan eine Art Hausindustrie, die jedoch mitstaunenswerter Sachkenntnis und Sorgfalt gepflegt wird 1 ); nur in Mu-sashi und Sin-shiu sind grosse industriell angelegte Raupenziichtereien imBetriebe. Die Seidenkultur unterliegt gewissermafsen der staatlichen Auf-sicht, indem die Seidenproduzenten verpflichtet sind, gemeindeweise zu Gildenzusammenzutreten 2 ); aus den Provinzialausschüssen der letzteren ist ein Cen-tralamt gebildet, das die oberste Aufsicht führt. Die inneren Angelegen-heiten der Gilde betreffen die Vervollkommnung der Maulbeerkultur, derRaupenfütterung, Einrichtung von Kokonmagazinen u. s. w. Da die Seiden-züchter ihre Ernte gewöhnlich selbst verarbeiten, so befasst sich das Amtauch mit der Normierung der Gespinste, sorgt für die Einheitlichkeit beimWinden und Zubereiten der Stränge, Markieren etc. und stellt gewüssermafsenden Vermittler dar zwischen den ausländischen Konsumenten und denheimischen Produzenten.
Der Aufschwung japanischer Seidenzucht datiert eigentlich seit derRaupen-krankheitsperiode in Europa ; 1860 wurden die ersten japanischen Raupen-eier hier eingeführt, deren gute Eigenschaften alsbald die Aufmerksamkeitaller europäischen Seidenzüchter auf sich zogen. Es scheint, dass die ja-panischen Raupeneier für die europäische Aufzucht gerade besonders geeignetwaren, weil die klimatischen Verhältnisse Japans mit denen Europas fastvollständig überein stimmen; speciell haben die aus Musashi und Dschoshiuherstammenden Rassen in dem diesen Provinzen in allen Beziehungen gleich-kommenden italienischen Brianza, ausgezeichnete Resultate geliefert. Ob-wohl der Export der Raupeneier nach dem Auslande bei Todesstrafe ver-boten war, nahm die Ausfuhr seit 1864 einen derartigen Aufschwung, dassdie Regierung sich genötigt sah, das Verbot aufzuheben. 1865 wurdenbereits 2450000 Kartons ausgeführt. Japanische Kartons sind 35 cm lange und25 cm breite, aus den Fasern der Broussonetia papyrifera angefertigte P a "