Die Arbeit des Haspelns.
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Flockseide . . . .
Seidenfaser. . . .
Puppe und Wasser .
Das Abhaspeln der Kokons ist eine Arbeit, welche der von der Seiden-raupe bei ihrem Einspinnen ausgeübten in entgegengesetztem Sinne analogist; sie besteht darin, dass die Kokonhülle vor allem durch kochendes Wasser
erweicht und der die Fadenlagen verbindende Leim teilweise aufgelöst wird,wodurch die einzelnen Faserbündel und die 8-förmigen Windungen beim
Abwickeln infolge der dabei wirkenden Zugkraft voneinander losgetrennt
werden. Die Kokonfaser wird in Form eines ununterbrochenen Fadens, wie
von einem hohlen Knäuel abgewickelt, oder wie man sich technisch aus-drückt, „abgehaspelt“.
Die Art und Weise des Kokonliaspelns war im Altertum im Prinzipkeine wesentlich andere, als heutzutage. Ursprünglich gelangte zurErweichung der Kokons kaltes Wasser in Anwendung, dessen Wirkungjedoch langsam und ungenügend war, wodurch eine fehlerhafte, flockigeGrege hervorging; man griff daher zum wannen Wasser, dessen Gebrauchzum Aufschlüssen der Kokons bereits von Plinius näher erörtert wird 1 ),obwohl ihm das eigentliche Haspel verfahren der Chinesen unbekannt seinmochte. Das Bestreben am Heizmaterial zu sparen, sowie die Erfahrung,dass der Gewichtsverlust der Faser beim warmen Haspeln bedeutender ist,veranlasste die Erneuerung der Versuche mit kaltem Wasser, worunter die Ver-fahren von Giordana (1777), Castelli, Zeno u. A., welche verschiedene Zu-sätze, wie Laugen aus Pottasche oder Pflanzenasche, frischen Urin mitZucker etc. verwendeten, erwähnt sein mögen. Von Locatelli wurde einVerfahren angewendet, dem er die nicht wenig pomphafte Bezeichnung„apparato chimico mechanico“ beilegte 2 ), über dessen Einrichtung und zurAnwendung gekommene Agenzien jedoch nichts näheres bekannt ist. Es sindnachträglich zahllose andere Verfahren in Vorschlag gebracht worden, umbei gewöhnlicher Temperatur haspeln zu können 3 ); kein chemisches Mittelvermochte jedoch die erweichende Wirkung des heissen Wassers zu er-setzen. Nennenswerten Fortschritt brachte die Idee Gensouls 4 ), statt derdirekten Feuerung die Dampfheizung anzuwenden (1805), die auch in kurzerZeit Eingang in die Praxis gefunden hat, da sie grosse Vorzüge bot und
‘) Hist. nat. lib. XI. cap. 23.
2 ) Bull, de la Soc. d’encour. 1822.
8 ) Biblioteca agraria. Saggio sulla trattura della seta. p. 6 ff.
4 ) Gensoul, Instruction sur le mode de se servir de l'appareil h, vapeur pour dd-vider la soie. Lyon 1810.
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