Kochen und Schlagen der Kokons. 357
Kokons vollständig erweicht, liefert bei kontinuierlichem Betriebe 6—8000Stück Kokons pro Arbeitsstunde.
In vielen Betrieben werden direkt mit Dampf geheizte Wasserkästenangewendet, welche Zellen aus durchlochtem Blech enthalten, in denen dievollständig eingetauchten Kokons der Einwirkung von zum Kochen ge-brachten Wassers ausgesetzt werden.
Von den anderen Kochapparaten ist die von Limel konstruierte „cui-seuse“ zu erwähnen, welche aus einer mit Kokons gefüllten Glocke besteht, dievon feuchtem Dampf durchströmt wird; man übergiesst den Behälter aussenvon Zeit zu Zeit mit Wasser, wodurch im Innern Luftleere erzeugtwird, was die einweichende Wirkung des sich kondensierenden Wassersunterstützt. Nach Dreyfous 1 ) behandelt man die Kokons zum Zweck desEinw'eichens in entsprechend konstruierten, verschlossenen Apparaten gleich-zeitig mit Dampf und Wasser, wodurch die Kokonhülle in wenigen Augen-blicken durchweicht wird; das überschüssige Wasser wird vermittelst einerCeutrifuge entfernt, in welcher die Kokons in kleinmaschigen Säcken ge-schleudert werden. Durch die schnelle Rotation und Stösse werden dieFadenenden gelöst und bleiben an den Maschen haften, wo sie von derHasplerin weggenommen werden; die weitere Operation des Schlagenswird dadurch überflüssig. Statt des Einweichens mit heissem Wasser behandeltSerrell 2 ) die Kokons mit Wasser von gewöhnlicher Temperatur, unterstütztaber dessen Wirkung durch eine Art regelmässig vor sich gehende Massage,d. i. zahlreiche, der Struktur der Kokons angepasste Stösse, die durch Zu-und Abfluss einer starken Wasserströmung veranlasst und geregelt werden.In dieser Weise soll die klebende Substanz entfernt werden, ohne dass derBast verloren geht und Materialverlust eintritt.
Das Schlagen der Kokons (battage) bezweckt die Entfernung desäusseren Flaumes und der Flockseide, welche den Kokon umgeben und ohnewelche Behandlung die Gewinnung eines glatten Fadens unmöglich ist.Diese Operation wird ebenfalls in einem Wasserbade vollzogen, dessen Tem-peratur je nach der Gattung und Rasse der Kokons verschieden ist; fürdickwandige beträgt sie 75° C., für feinere Arten 50—60°; gewisse Gat-tungen werden bei 60—70° geschlagen und bei 40—50° abgehaspelt undergeben alsdann eine für specielle Verarbeitungsarten geeignete Grege; diesogenannten klassischen Gespinste, die äusserst elastisch sind und sich füralle Fabrikationszweige eignen, werden dagegen durch Schlagen bei 90 bis100° und Abhaspeln bei 70° erzielt.
Das äussere Fadengewirr und die obersten, lockeren Windungen desKokonfadens werden, nachdem die Fäden am Gezweige hängen gebliebensind, vermittelst eines Reisigbesens entfernt, womit man die Kokons raschaber gelinde schlägt und in schnelle Drehung versetzt.
') Französisches Patent 55560.
2 ) Italienisches Patent 1267 (1891).