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Erster Band.
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Das Mulinieren.

schliesslich auf die Ermittelung der richtigen Einstellung, Wehebindung etc.,sondern auch auf den passenden Muliniergrad oder die Höhe und Stärke derZwirnung, die in der Seidenweberei in ungleich grösserem Mafse in Be-tracht kommt, als bei den anderen Gespinstfasern.

Die Seidenzwirnerei bestand notwendigerweise stets und überall gemein-sam mit der Hasplerei, demnach mit der Seidenkultur. In Europa er-hielten wir die erste Kunde von Zwirnerinnen in Paris (fileresses) imXIII. Jahrhundert, welche der rohen Seide vermittelst Spindeln dienötige Zwirnung erteilten. Die Drehung der einfachen und die Zusam-menzwirnuug mehrerer Fäden erfolgte ursprünglich stets mit der Hand, wiedies noch heutzutage in Asien meistens der Fall ist; die Arbeitsweise gleichtungemein der der Seilmacherei. Die maschinelle Vorrichtung kam in Formdes sogenannten runden Mulinierstuhls zuerst in Italien zur Anwendungund wird in dieser Form zuweilen noch heutzutage in Piemont angewandt;eine andere Zwirnmaschine, die ovale Seidenmühle, ist französischenUrsprungs. Der erste Mulinierstuhl (Seidenmühle, filatorio, moulin ä soie)ist von einem in Bologna ansässigen Luccheser Borghesano, demselben,dem man die Verbesserung des Seidenhaspels zuschreibt, konstruiert. Überdas Datum der Erfindung ist man nicht im klaren; während es einige indas Jahr 1272 versetzen, fixieren es andere auf 1282') und gar auf1372 2 ). Wie dies auch sein mag, der Mulinierstuhl blieb etwa zweiund-einhalb Jahrhunderte ein gut bewahrtes Geheimnis der Stadt 8 ). NachFrankreich wurde er von Girardi und Orsenico um das Jahr 1470 ein-geführt. Im J. 1719 gelang es einem kühnen Engländer, Lombe, sichder Zeichnung eines Borghesanischen Stuhls zu bemächtigen und sie nachEngland zu bringen. Später erhielt die Maschine von Avesani, Land-riani und namentlich Vaucanson vielfache Verbesserungen.

Das Mulinieren der Rohseide zerfällt in folgende Verrichtungen:

1. Das Spulen und Putzen der Grege.

2. Die erste Drehung (Filieren, filage, 1 er appret).

3. Das Dublieren.

4. Die zweite Drehung oder Zwirnung (organsinage, 2 e appret).

Die erste Behandlung der Grege ist die Überführung derselben aus derStrangform auf die Spulen oder Bobinen, wobei gleichzeitig das Putzen desFadens, das Entfernen von Fehlern, Flocken und Knoten stattfindet. Es istüblich, beim Verkauf der Grege die Spulenzahl, welche eine Arbeiterin beimAbwinden zu beaufsichtigen vermag, anzugeben, je grösser diese Zahl,desto besser ist die Qualität der Rohseide. Seit der Einführung der ge-knüpften Enden (bouts noues) bei der Zubereitung der Grege, hat sich dieHandhabung des Spulens wesentlich vereinfacht. Bei der Rohseide europäischer

J ) Me'm. de l’Acad. des Sciences. 1751.

’) Masini, Bologna illustrata.

s ) Livi, I mercenti di seta Lucchesi a Bologna nei sec. XIII e XIV. 1881.