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Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten des Kantons Zürich 1850 bis 1860 / von G. v. Escher
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mit Wasser gefüllt und einem Familienvater das Leben gekostet. Eben so übel hauste der Bach inKloten , wo er fast Alles unter Wasser setzte. Auch die Glatt richtete durch Ueberschwemmung undan Wuhrungen und Straßen bedeutende Zerstörungen an. Am 18. Morgens glich das ganze Glatt-und Tößthal einem See. Die Mühlen von Rümlang, Hofstettcn und Niederglatt wurden hart mit-genommen. Der Besitzer der Säge in Hochfelden , wo alle, mitunter gewaltige, Sägeblöcke verschwun-den waren, mußte sammt Familie durch fremde Hülfe aus derselben geholt werden. Die vor einemJahre bei der Ricdermühle in Bülach neu erbaute Brücke ist unbrauchbar geworden. In Oberhöriwurden zwei Brücken fortgerissen, und das erste Stockwerk der Blumer'schen Fabrik daselbst mitWasser gefüllt. — In Riedrkon bei Uster hatte der Aabach die fast ganz neue Brücke zerstört, dieStraßen in Flüsse umgewandelt und in Feld und Wiesen tiefe Graben gezogen. In Ueßikon. Ge-meinde Maur , wurde die Straße durch einen Erdschlipf verschüttet. In Egg verwüstete der Dorf-bach sämmtliche Güter und das Wasser drang in die Wohnungen, Keller und Scheunen. Nochbedeutender war der Schaden in Mönchaltorf , wo die Sturmglocken wiederholt ertönten; das Wasserfloß bei drei Fuß hoch über die Straße durch das Dorf, und die steinerne Brücke stürzte ein. Auchdas Kemptthal glich einem See, die schöne neue Brücke über die Kempt bei der Thalmühle stürztezusammen und es mußte das Holzwerk mit Ketten zurückgehalten werden. Zu diesem Elende ertönteam 18. noch der Feuerruf, indem durch angeschwollenen erhitzten Kalk eine Scheune in Brandgerathen war. Auch die Jona wirkte in der Gegend von Wald verheerend. Im Tößthal riß inFischcnthal die Töß den Steg weg und nebst mehreren Jucharten Ackerland und Wuhrungen auchein beträchtliches Stück der Landstraße; eben so weiterhin am Hochstegfelsen oberhalb Wyla. Eineder bedeutendsten Schädigungen erlitt die Zürich -Winterthurer Straße durch einen mächtigen Erd-schlipf bei Töß zwischen der Brücke und dem Wirtbshaus zur Krone, so daß sie für längere Zeitfür Wagen unbrauchbar wurde. — Fast am meisten litt das Flaachthal durch den Rhein und diewilde Thür. Dazu kam noch, daß, nachdem am Freitag Nachmittag die beiden Dorfbäche ausgetretenwaren, m der Nacht auf den Samstag ein Durchbruch des großen Weihers beim Schloß Eigenthalstattfand, der eine ungeheure Wassermasse entleerte, die daselbst und in Flaach großen Schaden ver-ursachte. Gegen Mittag trat auch die Thür aus und überschwemmte das ganze Unterfeld, was seit1785 nie mehr der Fall gewesen war. Ellikon am Rhein stand wie im Jahr 1817 größtentheilsim Wasser und mußte Menschen und Vieh flüchten. — Von Winterthur wurde berichtet, daß fastin allen Kellern eine unangenehme, nach Schwefelwasserstoff riechende Atmosphäre verspürt wordensei, welche die Lichter auslöschte und bei einem ziemlich tiefen Pumpbrunnen war die Gasent-wicklung so stark, daß ein die Oeffnung deckendes Brett gehoben und in schwankende Beweguuggebracht wurde, die selbst durch ziemlich starkes Beschweren nicht aufhörte. Nach einer oberflächlichenUntersuchung bestand das Gas aus Kohlensäure und Stickstoff. — Zahlreiche Zeugnisse aus demTößthale führen auf die Vermuthung, daß mit diesen großen Wasserflulhen in der Nacht vom17./18. September ein Erdbeben stattgefunden habe; dahin gehören u. a. die Angaben, daß manin Dättlikon am Jrchel in der Nacht ein Tosen und Krachen vernommen habe, daß die Weinbergeunendlich viele vorher nie bemerkte wasserführende Risse und Senkungen gezeigt haben, wobei die eineSeite 1 bis 1'/rFuß hoch sich über die andere erhob, an Stellen, wo sich an der Oberfläche sonst nieWasser zeigte; daß in Neftenbach in der Nacht zwischen 1 und 2'/^ Uhr Personen, die im Bette ganzwach waren, ein Gefühl verspürt haben, als ob sie gewiegt würden. Bemerkenswerth ist auch der Um-