Buch 
Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten des Kantons Zürich 1850 bis 1860 / von G. v. Escher
Entstehung
Seite
124
JPEG-Download
 

124

Am 21. Januar 1852 wurde ein Nachtrag zu dem oben mitgetheilten Einlösungstarif noth-wendig, da fortwährend alte nichtkourante schweizerische Münzsorten zum Vorschein kamen.

Da mit den Sendungen alten hochhaltigen Münzgutes den beträchtlichen Lieferungen der neuenSilbermünzen nicht genügend Schritt gehalten werden konnte, so beschloß die Münzkommission imFebruar 1852, auch österreichische Zwanziger und Brabanter, theils gegen Münzscheine, theils inKontokorrent mit Bankhäusern, jene zu 84 Rappen, diese zu Fr. 5. 66 R. anzuschaffen, welcherPreis auch die Transportkosten nach den Münzstätten deckte; die erste Sorte wurde meist in Straß-burg verwendet, die letztere dem Pariser Münzdirektor Übermacht. Ein Versuch, der mit einigentausend deutschen Gulden gemacht wurde, zeigte, daß diese nur Fr. 2. 8 R. rentirten, weßhalb der-selbe aufgegeben wurde. — Im Ganzen wurden 366000 Stück Brabanter und zirka 191000 StückZwanziger eingeschmolzen.

Betreffend die eingebrachten Goldmünzen wurde (abweichend vom Einschmelzungsreglement)von der Münzkommission im Februar 1852 verfügt, es sollen dieselben nicht eingeschmolzen, sondernnur zerschnitten (in Genf und Neuenburg) verwerthet werden, da einzelne unveränderte Goldstückeeinen größern Werth haben, als Goldbarren.

Da voraussichtlich nach Beendigung der Prägungen ein großes Quantum Billonmünzgut zuanderweitiger Verwendung, als für die neuen Münzen übrig bleiben mußte, so fanden zahlreicheUnterhandlungen und Verträge mit süddeutschen Münzstätten und einigen Asfiniranstalten statt, sowie mit Speditoren für den Transport des Münzgutes.

Im Ganzen erhielten von den 155161 Kilogrammen schweizerischen Münzguts:die Münzstätte Straßburg 48100 Kilo (wovon 3000 Kilo höherhaltiges),

die Münzstätte Paris 14600 -

Ve. Lyon Allemand et Fils in Paris 44900 -Rößler, Münzwardein in Frankfurt 30500 -Malleval u. Komp. in Lyon 17000 -

Im Juni 1852 waren die sämmtlichen Prägungen beendigt, worauf die zur Fabrikation be-nutzten Originalstempel nach Bern gesandt und im Gewölbe der schweizerischen Bundeskasse auf-bewahrt, die Dienststempel dagegen zerstört wurden.

Im Juli 1852 konnte mit Rückzahlung der Münzanleihen begonnen, und noch vor Ende desJahres dieselbe gänzlich beendigt werden.

Die mit den Kantonen geführten Einlösungsrechnungen (für geleistete Vorschüsse an neuenMünzen) wurden jeweilen bald nach Beendigung der Einlösung in den betreffenden Kantonen unddie mit den Münzstätten und Asfiniranstalten geführten Rechnungen ebenfalls noch vor Ende desJahres 1852 gänzlich abgeschlossen.

Dagegen konnten die Verlustbetreffnisse der Kantone bei der Münzreform vor gänzlicher Been-digung derselben nur annähernd berechnet werden, indem weder der Ertrag des alten Münzgutes,also der Verlust aus demselben gegenüber dem Nennwerth, noch der Gewinn auf den neuen Münzenzum Voraus genau bekannt sein konnte.

Es mag nicht ohne Interesse sein, wenn wir hier noch mit einigen Worten den durch dieMünzreform hervorgerufenen Verkehr schildern, wie er sich zu Ende des Jahres 1851 gestaltete, alseinmal die Einlösungsoperation in vollem Gange war.