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Einladung zur Nationalsubskription für die Sonderbundsschuld im
Kanton Zürich von dem Komite der gemeinnützigen Gesellschaft.
Mitbürger und Freunde!
Ein vaterländischer Vorschlag ist von unsern Eidgenossen in Genf ausgegangen und hat Anklanggefunden in allen Theilen und bei allen Freunden des Vaterlandes. Durch eine freiwillige National-subskription soll die Tilgung der Schuld von mehr als zwei Millionen Franken möglich gemacht werden,die auf den Ständen des ehemaligen SonderbundS für Kriegskosten noch lastet, nachdem bereits siebenMillionen von denselben bezahlt worden sind. Der Kanton Zürich darf nicht zurückbleiben bei diesemVereine seiner Eidgenossen für eine That der Versöhnung. Fünfhundertjährige Erinnerungen, ein langegenossenes Vertrauen der BundeSbrüder und seine eigene Uebung, bei keiner Aeußerung des Gemewsinneszu fehlen, machen ihm eine rege Theilnahme an derselben zur doppelten Pflicht, und wir, die Unter-zeichneten, haben es im Auftrage der gemeinnützigen Gesellschaft übernommen, Euch alle, liebe Mitbürger,zu derselben einzuladen. Noch nie wohl mochten Versöhnung und BundeStreue ein dringenderes Be-dürfniß sein.
Wir wollen nicht mit ängstlichem Kleinmuth auf erschütternde Weltereignisse, auf die Wirren derParteikämpfe, auf die Zeichen der Gährung in oder außer der Eidgenossenschaft Hinblicken; aber Einesist klar, daß in so ernster Lage nur einträchtiges Zusammenhalten die Freiheit und Selbstständigkcit unsersVaterlandes zu retten vermag; daß das Ausland uns gering schätzt, wenn diese fehlt, uns achten muß,wenn sie vorhanden ist. Darum laßt uns muthig das Mittel ergreifen, diese Eintracht herzustellen. Esist die freiwillige That der Liebe, was wir von unsern Eidgenossen der Sonderbundsstände erwartenwürden, wenn wir in ihrer Lage wären, wenn wir, wie sie, seit Jahren im Aufbringen kaum erschwing-licher Lasten uns abgemüht, wenn wir, wie sie, selbst bei steigenden Preisen der Ledensmittel dessen un-geachtet noch immer für so außergewöhnliche Ausgaben sorgen —daS sollen wir gegen sie thun.
Wir sollen sie entlasten und ihr wieder auflebendes Vertrauen, ihre Bundestreue dafür gewinnen.
An Euern Willen dazu, Mitbürger, wenden wir uns mit Zuversicht, so wie wir auch der Mit-wirkung unserer Bundesbehörden und der verschiedenen vaterländischen Regierungen zu Vollendung desschönen Werkes vertrauen. Welches auch die Opfer sein mögen, die noch in andern Richtungen der Ernstder Zeit von uns fordert, wenn Vaterlandsliebe, wenn das Bewußtsein der Christenpflicht uns leiten,wenn Jeder mit redlichem Willen nach seinem Vermögen sich anstrengt, so sind wir reich genug auch fürdieses Bedürfniß. Der Rappen des armen Schulkindes, mit freudigem Willen dargebracht, wiegt so schwerund wird so gesegnete Früchte bringen, als die große Gabe des Reichen; denn im freiwilligen VereineAller für die gleiche That der Liebe liegt eine unüberwindliche Kraft.
Damit dann aber bei der Verwendung der Beiträge aus allen Theilen des Vaterlandes um so eherdie möglichste Uebereinstimmung erzielt werden könne, gedenken wir unsererseits bei dem das Ganze leiten-den Ausschüsse mit keiner besondern Bedingung einzukommen; nur werden wir der allgemeinen Forderunguns ebenfalls anschließen, daß der Antheil der sämmtlichen Sonderbundsstände an dem Ertrag der Sub-skription nach dem Verhältniß ihrer ursprünglichen Beitragspflicht an die Kriegskosten geregelt werde.— Gottes Segen ruhe auf unserm Thun , er ruhe auf Allem, was zur Erhaltung des geliebten eid-genössischen Vaterlandes geschehen wird!